Tote und Verletzte bei Selbstmordanschlag in Nigeria

17. Mai 2015, 13:57
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Islamisten von Boko Haram erobern strategisch wichtige Stadt

Abuja – Im Nordosten Nigerias hat sich am Samstag ein Mädchen in die Luft gesprengt und sieben Menschen mit in den Tod gerissen. Mehr als 30 Menschen seien bei dem Selbstmordanschlag an einem Busbahnhof in Damaturu verletzt worden, teilte ein Augenzeuge mit. Unterdessen eroberte die Jihadistenmiliz Boko Haram die strategisch bedeutsame Stadt Marte.

Sie sei "vollständig an die Aufständischen gefallen", sagte der Vizegouverneur des Teilstaats Borno, Mustapha Zannah. Ein Händler am Busbahnhof sagte der Nachrichtenagentur AFP, das "etwa zwölfjährige" Mädchen habe den Sprengsatz unter seinem Schleier versteckt. Ein Busfahrer sagte, das Mädchen habe sich in die Luft gesprengt, als es die Wachen im Eingangsbereich des Busbahnhofes bemerkte. Wegen mehrerer Anschläge in der Vergangenheit werden Reisende dort vor Eintritt kontrolliert.

Sechs Menschen wurden bei dem Anschlag sofort getötet, ein weiterer verstarb wenig später im Krankenhaus, wie Verantwortliche dort mitteilten. Boko Haram bekannte sich nicht zu dem Attentat, allerdings hatten sich die Islamisten schon häufiger junger Mädchen bedient, um Selbstmordanschläge zu verüben. Erst im Februar tötete eine Frau am selben Busbahnhof sieben Menschen und verletzte 32 weitere. Vizegouverneur Zannah sagte, ein Bericht lege nahe, dass in Reaktion auf die Armeeoffensive gegen Boko Haram zuletzt vermehrt Selbstmordattentäter angeworben worden seien.

Schwerer Rückschlag im Kampf gegen Islamisten

Die Rückeroberung der Stadt Marte nannte Zannah einen "schweren Rückschlag" im Kampf gegen die Islamisten, die seit Jahren mit Gewalt die Errichtung eines islamischen Staates im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes durchsetzen wollen. Seit 2013 wechselte die Kontrolle über die an wichtigen Handelswegen zwischen Nigeria und mehreren Nachbarstaaten gelegene Stadt mehrfach zwischen den Dschihadisten und Regierungstruppen.

Einer Allianz der Armeen aus Nigeria, Tschad, Niger und Kamerun gelangen seit Februar mehrere Siege gegen Boko Haram. Zuletzt starteten die Islamisten, die vor kurzem den Extremisten des "Islamischen Staats" (IS) ihre Gefolgschaft erklärt hatten, jedoch wieder mehrere Offensiven. So kam es neben dem Fall von Marte erstmals seit längerem wieder zu einem Angriff auf Maiduguri, der größten Stadt Bornos. Die Armee konnte Maiduguri zwar halten, in nahegelegenen Dörfern töteten die Islamisten jedoch bei Angriffen in den vergangenen Tagen 55 Menschen.

Boko Haram tötete seit 2009 bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen nach UN-Angaben mehr als 15.000 Menschen. Weitere 1,5 Millionen Menschen wurden infolge des Konflikts zwischen den Jihadisten und der Armee obdachlos. (APA, 17.5.2015)

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