Warum die Werbeblockade von Mobilfunkern scheitern wird

16. Mai 2015, 11:19
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Mobilfunker basteln an "Bombe" gegen Google – doch Verletzung der Netzneutralität wäre zu hoher Preis

Europäische Mobilfunker planen, künftig von Google ausgespielte mobile Werbeanzeigen zu blockieren und den Suchmaschinen-Konzern so an den Verhandlungstisch zu zwingen. Mit dieser "Bombe" wollen die Telekomkonzerne laut einem Bericht der "Financial Times" Google dazu zwingen, das Geld aus den Werbeeinnahmen mit den Mobilfunkern zu teilen. Allerdings dürfte der Plan auf heftigen Widerstand stoßen, wie erste Reaktionen beweisen.

Netzneutralität

So wäre die Blockade einzelner Internetpakete – wie etwa Googles Werbeanzeigen – ein massiver Verstoß gegen das Gebot der Netzneutralität. Im sogenannten Trilog zwischen EU-Kommission, Parlament und Europäischem Rat wird momentan heftig debattiert, ob Providern einzelne Ausnahmen für "Spezialdienste" zugestanden wird. Maßnahmen wie die Blockade von Werbeanzeigen eines einzigen Anbieters dürften aber in keinem Fall durchgehen.

Rechtliche Probleme

Abgesehen von einem Aufschrei durch Netzaktivisten und Medienvertreter könnten die Mobilfunker also auch auf juristischen Widerstand stoßen. Außerdem sieht Wired auch abgesehen von der rechtlichen Lage "keine Chance", dass sich Google an den Verhandlungstisch zwingen lässt. Der IT-Konzern sei immer noch die "mächtigste Firma im Internet". Mit ihr auf Kriegsfuß zu stehen, bekäme den Mobilfunkern nicht gut.

Umsetzung

Außerdem ist noch unklar, ob die Technologie der Mobilfunker überhaupt funktioniert – und nicht rasch durch Adaptionen umgangen werden könnte. Laut Financial Times soll das israelische Start-Up "Shine" die entsprechende Software für die Werbe-Blockade liefern, die allerdings noch hochgeheim ist. Alles in allem dürfte es sich bei den Ankündigungen der Mobilfunker also vor allem um Drohgebärden handeln. Freilich könnten die Telekomkonzerne den Nutzern freie Hand bei der Abschaltung von Werbung lassen – dann wäre dies in Punkto Netzneutralität in einer Grauzone.

Freiwilligkeit

Nutzern könnte dann allerdings im Umkehrschluss der Zugriff auf gewisse Anwendungen und Websites verboten werden. Denn ein beträchtlicher Teil des Ökosystems im Web ist vom Ausspielen von Werbeanzeigen abhängig. Die Mobilfunker würden also nicht nur Google treffen, sondern einen Großteil ihrer eigenen Kunden – die schließlich durch den erzeugten Traffic dafür sorgen, dass die Telekomkonzerne Umsatz machen. (fsc, 16.5.2015)

  • Europäische Mobilfunker wollen Werbung durch Google blockieren
    foto: reuters/ruvic

    Europäische Mobilfunker wollen Werbung durch Google blockieren

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