Prozess gegen griechische Neonazis erneut vertagt

15. Mai 2015, 19:17
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Prozess gegen Goldene Morgenröte kommt nicht vom Fleck - Anarchisten drangen in Verhandlungssaal ein

Athen - Der Prozess gegen dutzende Mitglieder und Anhänger der griechischen Neonazipartei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) in Athen ist am Freitag auf den 4. Juni vertagt worden. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, gelang es einigen anarchistischen Angeklagten aus einem anderen Gerichtssaal, durch eine Seitentür in den Verhandlungsraum vorzudringen.

Sie riefen unter anderem "Schande den Mördern" und warfen Flaschen in Richtung der rechtsextremen Angeklagten. Das Gericht sah die Sicherheit nicht gewährleistet und setzte den neuen Termin fest.

Auch Parteigründer angeklagt

Der am 20. April begonnene Prozess wurde bereits einige Male vertagt. Bisher wurde erst einige Stunden lang verhandelt. Unter den 69 Angeklagten sind 13 Parlamentsabgeordnete der Partei, darunter der Chef und Gründer der Goldenen Morgenröte, Nikos Michaloliakos. Einige der Angeklagten müssen sich wegen Mordes verantworten, andere sind wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Waffenbesitzes oder rassistisch motivierter Gewalt angeklagt.

Dem Verfahren gingen monatelange Ermittlungen voraus, nachdem im September 2013 ein Aktivist der Goldenen Morgenröte den antifaschistischen Rap-Musiker Pavlos Fyssas ermordet hatte. Im Fall einer Verurteilung drohen einigen Angeklagten bis zu 20 Jahre Haft.

Der Prozess findet in einem eigens eingerichteten Gerichtssaal im Hochsicherheitsgefängnis Korydallos im Westen Athens statt. Er wird vermutlich mehrere Monate dauern. Die Zahl der Zeugen beläuft sich auf 300, davon 130 als Nebenkläger.

Die Goldene Morgenröte, die enge Kontakte zur Neonaziszene unterhält, ist wegen ihrer Angriffe auf Migranten, Linke, Homosexuelle und Gewerkschafter berüchtigt. Sie gewann im Zusammenhang mit der schweren Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2010 an Einfluss. Bei der Parlamentswahl Ende Jänner wurde die Partei mit 17 Mandaten drittstärkste Kraft hinter der Linksallianz Syriza und der konservativen Nea Dimokratia. (APA, 15.5.2015)

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