Causa Puris: Dünne Hühnersuppe in der Hypo

17. Mai 2015, 09:00
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Wie Wolfgang Kulterer dem Wirtschaftsprüfer den 2007 aufgetauchten Verdacht auf Kickbacks rund um den Puris-Kredit ausredete

Wien - Die Causa Puris, ein Hypo-Kredit für Ankauf und (misslungene) Sanierung eines kroatischen Geflügelbetriebs, hat jüngst für Wellen im U-Ausschuss gesorgt. Grund: ein Aktenvermerk des damaligen Notenbankers Helmut Ettl über einen Anruf von Hypo-Wirtschaftsprüfer Erich Kandler (damals Deloitte). Selbiger hatte Verdacht auf eine Kickback-Zahlung an Wolfgang Kulterer geschöpft. Die Notiz bewirkte nichts. Der Verdacht habe sich trotz Recherchen damals nicht erhärtet, sagt Deloitte heute. Kulterer habe freiwillig Unterlagen vorgelegt und Fragen "zum Teil" beantwortet; mehr habe man nicht tun können. "Für uns war die Suppe zu dünn", so ein Involvierter.

Seit Sommer 2014 beschäftigt sich die Justiz mit der Causa. Gemäß Soko Hypo seien beim Ankauf, in den Frankokanadier Walter Wolf involviert war, zwei Mio. Euro nach Österreich zurückgeflossen und Puris habe "der Höhe nach nicht gerechtfertigte" Management Fees an die Beratungsgesellschaft WBG bezahlt. Die Betroffenen bestreiten das, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Verflechtungen

An der WBG hielt damals Kulterers Frau Brigitte Anteile, ebenso Gerhard Prasser, ein Freund des Hypochefs. Von 2006 bis 2012 war Kulterer selbst beteiligt; 2013 wurde die WBG gelöscht.

Ein Blick in die Akten - die Geschichte spielt 2007 - zeigt, wie Kulterer sich damals erklärt hat, und dass jene Fragen, die heute unter den Nägeln brennen, schon damals Thema waren. Am 13. März 2007, nach Kandlers Aufschrei, überreichte Deloitte Kulterer eine Fragenliste zu "offenen Punkten" zu Wertberichtigungen der Puris und zum Grund für die Übernahme der Puris-Anteile von Walter Wolf. Aus den (teils unbeantworteten) Fragen erschließt sich, dass Puris Bürgschaften für Privatkredite Wolfs von 4,4 Mio. Euro "übernehmen" hatte müssen. Die Bürgschaft sei auch gezogen worden. Kleiner Zeitsprung: In der Anzeige wird die Vermutung geäußert, Puris wäre über Umweg Liechtenstein letztlich in Kulterers Eigentum gelandet. Gefragt wurde auch nach den Leistungen der WBG, die Puris "Beratungsleistungen in beträchtlichem Ausmaß" verrechnet habe.

Als Antwort kam von Kulterer ein "Bericht der WBG-Historie", laut dem die Beratungsgesellschaft "eine reine Durchlauffirma war". Die WBG sei gegründet worden, um landwirtschaftliche Maschinen einzubringen und (auch) Fremden zur Verfügung zu stellen. Dieser Geschäftszweig sei aber nicht aufgegangen.

Entsendung nach Kroatien

Im Mai 2002 kommen laut Kulterers Schilderung Puris und WBG zusammen. Damals habe die Hypo die "Sanierungsnotwendigkeit der Puris" erkannt, und einen Geschäftsführer für sie gesucht. Gefunden worden sei: Prasser. Über einen von Wirtschaftsprüfer Confida Klagenfurt entwickelten Entsendungsvertrag habe man ihn zu Puris nach Kroatien geschickt. Prasser habe damals die WBG ganz übernehmen wollen, Kulterers Frau habe das nicht gewollt. An Geldflüssen zählte Kulterer ein Darlehen (100.000 Euro) auf, das er im Scheidungsverfahren an die WBG zurückbezahlt habe. Die "höchste Zahlung" sei 2004 geflossen: 98.000 Euro, als Nachverrechnung für Lohnsteuern aus dem Entsendungsvertrag.

Er, Kulterer, habe aber "nie Leistungen bzw. Zahlungen aus der WBG erhalten", beteuerte er gegenüber Wirtschaftsprüfer Deloitte. Und: Sämtliche Managementleistungen zwischen Hypo-Kunden Puris und Beratungsgesellschaft WBG seien im zweiten Halbjahr 2004 beendet worden. Im Dezember 2004 stieg Kulteres frühere Ehefrau aus der WBG aus.

Engagement

Deloitte selbst hielt in einem Aktenvermerk von März 2007 die "Genesis" des Puris-Engagements der Hypo fest. 2002 sei Walter Wolf 81-Prozenteigner der Puris gewesen, die Hypo finanzierte den Kauf mit 16 Mio. Euro. Wolfs Anteil (und den darauf entfallende Kredit) übernahm 2003 die Villacher Puris GmbH.

Das Geflügelgeschäft selbst lief schlecht, trotzdem verlängerte die Hypo fällige Kredite. Es kam zu "intensiven Diskussionen mit dem Wirtschaftsprüfer". 2005 fand man laut Deloitte-Aufzeichnungen mit einer Abschreibung von 2,9 Mio. Euro "den kleinsten gemeinsamen Nenner", obwohl nach "eigenen Berechnungen 3,4 Mio. nötig gewesen wären".

Ohne Controlling

2006 wusste man laut Deloitte noch immer nicht, "wo genau die Verluste gemacht werden". Denn: "Puris hatte entgegen den Zusagen im Finanzierungsantrag kein Controllingsystem eingerichtet." Erst damals konnte sich die Hypo zur gänzlichen Wertberichtigung der Puris durchringen. (Renate Graber, DER STANDARD, 16.5.2015)

  • Das Geschäft mit Hühnern hat die Hypo Alpe Adria im Kreditfall Puris 50 Millionen gekostet
    ap /knoth

    Das Geschäft mit Hühnern hat die Hypo Alpe Adria im Kreditfall Puris 50 Millionen gekostet

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