Iran und die Golfaraber: Die Temperatur steigt

Kommentar15. Mai 2015, 17:39
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Ein iranisch-saudischer Dialog ist nicht in Sicht

Barack Obama hat sich in Camp David redlich Mühe gegeben, die hohen Vertreter der sechs arabischen Golf-Kooperationsrats-Staaten (GCC) von der Nützlichkeit eines Atomdeals mit dem Iran zu überzeugen. Das ist leichter, wenn es "nur" um Nichtverbreitungsfragen geht, denn es ist unbestreitbar, dass ein Abkommen die nuklearen Aktivitäten des Iran erst einmal kräftig beschneiden wird - und dass die Alternative nicht weniger, sondern mehr Atomprogramm wäre. Aber die wahren Ängste der Golfaraber, nämlich dass der Iran nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen zur regionalen Supermacht wird - ganz ohne Atombombe -, lassen sich schwer ausräumen.

Der Gipfel, der das US-golfarabische Bündnis erneuern sollte, wurde zur diplomatisch wohltemperierten Veranstaltung: Der US-Präsident gab eine komplex formulierte Verpflichtung ab, im Fall von Aggressionen gegen den GCC "mit unseren Partnern zu arbeiten, um akut zu bestimmen, welche Aktionen angemessen sind". Das kann alles sein - der Einsatz von Gewalt - oder auch nichts. Eine Garantie hört sich anders an.

Währenddessen steigt die Temperatur am Persischen Golf und rund um den Jemen, wo am Freitag die humanitäre Waffenruhe Auflösungserscheinungen zeigte. Und nirgends ist das in Sicht, was die Region bräuchte, um einen Schritt vom Abgrund zurückmachen zu können: ein iranisch-saudischer Dialog. (Gudrun Harrer, 15.5.2015)

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