Kühle Sommernacht vor dem Kulturgedränge

15. Mai 2015, 17:42
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Philharmonische Festwochen-Eröffnung in Schönbrunn

Wien - Spektakuläre Kulturtage in Wien: Kanaldeckel singen, aus einigen von ihnen dringt tatsächlich Conchitas vorjähriger Song-Contest-Triumph. Und wer am Wochenende auch oberirdisch Kunstkontakte sucht, wird wohl seinen Entscheidungstherapeuten konsultieren müssen: Geht er am Samstag ins Wiener Konzerthaus, um das neue Festival Gemischter Satz (ab 19.30) zu genießen? Sucht er die Nähe von Festwochen-Artisten im Festivalzentrum (ab 16.00 im Künstlerhaus), um im Anschluss im Museumsquartier der ersten Premiere beizuwohnen (der Oper Luci mie traditrici), oder verschlägt es ihn am Samstag zum Life Ball? Sonntag wiederum gesellt sich auch schon der nahende Songcontest zum Kulturangebot: Vor dem Rathaus gilt es, nachmittags, die Teilnehmer des Wettsingens zu begrüßen, die an einem vorbei ins Haus des Bürgermeisters ziehen, in dem selbiger wartet.

Wo auch der Kanzler redet

Viel kommt da zusammen. Was Wunder, dass bei solch schönem Termingedränge die Eröffnung der Wiener Festwochen (gemeinhin am Rathausplatz) mit dem Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker in Schönbrunn fusioniert werden musste. Und was Wunder, dass dieses edle Orchester - so man den Eröffnungsworten des Vorstands Andreas Großbauer glauben darf - Teile ihres Repertoires quasi als Song-Contest-Beitrag verstanden wissen wollten. Wer will schon fehlen, wenn in einer Stadt zwischen den Nationen Brücken gebaut werden! Keinesfalls auch der Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, der sprach, bevor auch Kanzler Werner Faymann sagte, dass Musik Menschen verbinde.

Dirigent Zubin Mehta widersprach nicht. Gewohnt locker führte er durch ein - den Temperaturen angemessenes - nordisches Programm. Carl Nielsens fetzige Ouvertüre zur Oper Maskarade erfreute. Grieg Klavierkonzert in a-Moll kam in den Genuss der schließlich doch respektablen Umsetzung durch Rudolf Buchbinder. Später kam noch Griegs Geniestreich, die Peer-Gynt-Suite Nr. 1, delikat daher, während Sibelius' Finlandia op. 26 wuchtig vorbeizischte - wie auch zu Beginn Richard Strauss' Wiener Philharmoniker Fanfare. Wie es genau geklungen hat, wird man allerdings erst ab 29. Mai, wenn die CD (Sony) herauskommt, nachhören können. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 16.5.2015)

  • Rund 50.000 Besucher fanden sich am Donnerstagabend im Schlosspark Schönbrunn ein.
    foto: apa/herbert p. oczeret

    Rund 50.000 Besucher fanden sich am Donnerstagabend im Schlosspark Schönbrunn ein.

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