Life Ballern

15. Mai 2015, 17:02
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Das per Bote eingetrudelte Life-Ball-Ticket goss noch weiter Öl ins Feuer

Zur Eröffnung: Ich war noch nie auf einem sehr, sehr großen Ball. Das Recht der ersten Nacht des ersten Balles vergab ich an den erquicklichen Diversity Ball letztes Jahr, und da trug ich kein Ballkleid, schlicht weil ich keines besaß. Stöckelschuhe trug ich da auch keine, nicht weil ich keine besitzen würde, sondern weil sie nicht zum Gesamtbild gepasst hätten.

Also gut, um der Wahrheit willen: weil ich Angst hatte, mit ihnen auf der Treppe zum gut gefüllten Tanzsaal zu stolpern.

Der Life Ball war natürlich etwas, das mich im Gedächtnis der Stadt seit einiger Zeit begleitet hat, in unterschiedlichen Erinnerungsbruchstücken auftauchte: knappe Kostüme, üppige Schminke, viel Pöpsche. Aber auch: wichtige Botschaften, Lebenretten, pompöses Interieur, internationales Aufgebot von Vivienne Westwood und Paco Rabanne über Cyndi Lauper, Catherine Deneuve bis Elton John.

Dazu kam noch ein Sturm (oder - falls ich mich recht erinnere - sogar mehrere), dazu die beeindruckenden Menschenmengen bei jedem Wetter (wobei mir die Knapppöpsche beim Eisregen wirklich sehr leid getan hatten. Sie erwiesen sich dennoch als äußerst sportlich wenn nicht gar spartanisch abgehärtet.) Letztes Jahr dann das ätherische Plakatwesen, das sich nicht so recht auf die primären Geschlechtsmarkmale festlegen wollte und Martin-Humer-Festspiele mit schwarzem Zensurspray.

Und dieses Jahr: Ver Sacrum, güldene Lorbeeren und Klimt und eine Einladung an mich. Zur Erinnerung: die ohne Ballkleid, ohne Knapppopsch und mit Stöckelschuhparanoia. Das per Bote eingetrudelte Ticket goss noch weiter Öl ins Feuer: Mir wurde großzügig die Möglichkeit eines "Einzugs" über den Rathausplatz eingeräumt. Ich bin noch nie in meinem Leben irgendwo eingezogen. Bestenfalls eingeritten.

Vielleicht sollte ich lieber Cowboystiefel zum Kleid nehmen. (Julya Rabinowich, 15.5.2015)

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