Wort der Woche: Plagiat

16. Mai 2015, 12:00
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Von verkauften Seelen ist die Rede, sogar vom Menschenraub. Doch meist ist ein Plagiat nur ideenfaule Fladerei

Es gilt die Unschuld-vom-Land-Vermutung. Sie liegt in den Frisuren der Band wie Morgennebel am Mondsee, und zugegeben, es ist nicht leicht, in solch trüber Suppe originell zu sein. Gerade in der Popmusik, in der alles schon einmal gespielt wurde, hebt doch niemand mehr das Lid, wenn ein Lied klingt wie ein anderes. Ö3 bestreitet so täglich sein Programm, was soll daran also falsch sein. Plagiat? Geh bitte.

Die Band The Makemakes, die Österreich nächste Woche beim Song Contest vertritt, kann davon ein Lied singen. Oder zwei, oder drei. Und die klingen alle irgendwie wie Lieder von anderen. Man kennt solche seriellen Einzelfälle aus der Politik. Vielleicht haben sie deshalb einmal nachgeschlagen, was das sein soll, so ein Plagiat.

Wahlweise leitet sich der Begriff vom französischen "plagiaire" ab, das den "Dieb geistigen Eigentums" benennt, das Lateinische "plagiarius" zeigt mit dem Finger gar auf "Seelenverkäufer" oder "Menschenräuber".

Meiner Seel - das wollen wir den Makemakes nicht unterstellen, wiewohl der Bluesmusiker Robert Johnson seine Seele einst dem Teufel versprochen haben soll. Aber gut, das hat sich für Johnson wenigstens ausgezahlt, er wird bis heute verehrt, obwohl er bald 80 Jahre tot ist.

Dieses Privileg werden The Makemakes nicht genießen. Wenn sie ihre Seelen verkauft haben sollten, dann waren diese nicht viel wert. Ja, sie können froh sein, wenn ihnen die Kelly Family nicht noch eine Frisurenplagiatsklage zustellen lässt. (flu, 16.5.2015)

  • Österreichs Vertreter beim Song Contest: The Makemakes.
    foto: epa/milenko badzic

    Österreichs Vertreter beim Song Contest: The Makemakes.

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