So kann eine Ameise einem Ameisenlöwen entkommen

15. Mai 2015, 13:51
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Wissenschafter schubsten Schnappkieferameisen in die Falle - und diese katapultierten sich wieder in Freiheit

Urbana-Champaign - Als ausgewachsene Tiere sind die geflügelten Ameisenjungfern (Myrmeleontidae) bei weitem nicht so bekannt wie ihre "Ameisenlöwen" genannten Larven. Diese zangenbewehrten Jungtiere hocken am Grund selbst gebauter Fangtrichter aus Sand und lauern auf Beute. Zeigt sich eine Ameise oder ein anderes potenzielles Beutetier am Rand des Trichters, beschießen sie es mit Sand, um ihr ins Rutschen gekommenes Opfer schließlich mit den Kieferzangen zu packen.

Mehrzweckwerkzeug

Nun berichten US-Forscher im Fachblatt "PLOS ONE" von Ameisen, die eine Möglichkeit entwickelt haben, sich aus höchster Not zu retten: Schnappkieferameisen (Odontomachus) können sich aus der Falle eines Ameisenlöwen herauskatapultieren - und zwar mit ihren kräftig ausgebildeten Mundwerkzeugen.

Ursprünglich dürften die Ameisen ihre Mundwerkzeuge, die Mandibeln, entwickelt haben, um ihrerseits Beute zu packen. Und die Mandibeln der Schnappkieferameisen können mit enormer Geschwindigkeit zuschnappen. Bei manchen Arten maßen Wissenschafter eine Schnappgeschwindigkeit von 60 Metern pro Sekunde. Selbst schnell rennende oder giftige Beutetiere werden damit oft erlegt, bevor sie eine Chance haben, zu entkommen oder sich zur Wehr zu setzen.

Die Mandibeln werden aber auch beim Nestbau oder der Pflege von Eiern und Larven benutzt. Dass die Tiere damit auch springen, hatten Wissenschafter bereits gelegentlich beobachtet. Allerdings sei bisher nie untersucht worden, in welchen Situationen sie das machen und ob es ihre Überlebenschancen verbessert, heißt es in dem Artikel in "Plos ONE".

Versuchsreihe

Dies holten Fredrick Larabee und Andrew Suarez von der University of Illinois in Urbana-Champaign nun nach. Sie beobachteten, was geschieht, wenn sie Schnappkieferameisen in die Falle von Ameisenlöwen schubsten.

Dabei stellten die Forscher fest, dass die Ameisen in etwa zwei Drittel der Fälle aus der Falle entkamen: Bei jedem zweiten Versuch flohen sie über die Grubenränder. In weiteren 15 Prozent sprangen sie mithilfe ihrer Mundwerkzeuge aus der Grube. Als Nächstes klebten die Wissenschafter - Forschungsdrang kann manchmal an Sadismus grenzen - einigen Tieren die Mandibeln zusammen, wodurch diese zum Springen unbrauchbar waren. Insgesamt halbierte dies ihre Überlebenschancen im Vergleich zu jenen Artgenossen, deren Mandibeln einsatzbereit waren.

Die Studie zeige, wie ein Merkmal, das für einen bestimmten Zweck verwendet wird, auch für andere Funktionen genutzt werde. "In diesem Fall wird ein Werkzeug, das für den Fang schneller und gefährlicher Beutetiere sehr brauchbar ist, für einen anderen Zweck eingesetzt - um zu entkommen", erläutert Larabee. (APA/red, 15.5. 2015)

  • Die Mundwerkzeuge einer Schnappkieferameise (hier im Bild einer Vertreterin der Spezies Odontomachus brunneus) sind multifunktional. Im Notfall können sich die Tiere damit auch aus dem Fangtrichter eines Ameisenlöwen katapultieren.
    foto: adrian smith

    Die Mundwerkzeuge einer Schnappkieferameise (hier im Bild einer Vertreterin der Spezies Odontomachus brunneus) sind multifunktional. Im Notfall können sich die Tiere damit auch aus dem Fangtrichter eines Ameisenlöwen katapultieren.

  • Hier haben mehrere Ameisenlöwen das reinste Minenfeld angelegt.
    foto: apa/epa/m.a.pushpa kumara

    Hier haben mehrere Ameisenlöwen das reinste Minenfeld angelegt.

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