Yasmine Hamdan: Eine andere arabische Welt

15. Mai 2015, 09:10
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Die Musikerin spielte schon für Jim Jarmusch und gilt als Underground-Ikone der arabischen Welt. Am Freitag tritt sie in Innsbruck auf

Innsbruck - Schon allein rein äußerlich widerlegt die dunkelhaarige Schöne aus dem Libanon sämtliche Klischees, mit denen hierzulande arabische Frauen nur allzu oft belegt werden. Selbstbewusst, widerspenstig, kosmopolitisch, sexy und selbstverständlich unverschleiert, so gibt sich Yasmine Hamdan.

1976 in Beirut geboren, verbringt sie ihre Kindheit auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg. Griechenland, Abu Dhabi und Kuwait sind Stationen ihres frühen Nomadenlebens.

Als Teenager kehrt sie in die Trümmer ihrer Heimatstadt zurück. Durch die Wirren ist Beirut zur Geisterstadt verkommen, in der das Leben schnell gelebt werden will, denn es kann jederzeit zu Ende sein.

In diesem Chaos gründet sie die Electropop-Band Soapkills, sie wird Frontfrau dieser ersten Independent-Band des Nahen Ostens und zur Ikone des aufflackernden Underground der arabischen Welt. Sie findet Gefallen an der traditionellen orientalischen Musik, und wie besessen gräbt sie nach ihren verloren geglaubten kulturellen Wurzeln.

Ab nun singt sie ihre Lieder ausschließlich in arabischen Dialekten, ohne aber die komplizierten Regeln des traditionellen Gesangs zu beherrschen. Selbstbewusst durchbricht sie die strengen Normen und singt diese Musik wie Punk. Später arbeitet sie unter dem Namen Y.A.S. mit dem Madonna-Produzenten Mirwais zusammen sowie für ihr Debütsoloalbum Ya Nass mit Marc Collin von Nouvelle Vague.

Auf einem Festival in Marrakesch begegnet sie dem US-amerikanischen Filmregisseur Jim Jarmusch, der gerade an seinem lasziv-kühlen Vampir-Melodram Only Lovers Left Alive arbeitet. Sie bekommt eine Gastrolle als Barsängerin und tritt im Film mit einem kompletten Song ihres Albums auf.

Yasmine Hamdan will mit ihren Liedern an eine andere arabische Welt erinnern. Heute gastiert sie im Treibhaus in Innsbruck. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 15.5.2015)

Yasmine Hamdan, Innsbruck, Treibhaus, Angerzellg. 8, 15.5., 21.00

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Treibhaus

  • Die 1976 in Beirut geborene Yasmine Hamdan, die in ihrer Kindheit vor dem Bürgerkrieg floh, durchbricht selbstbewusst Normen. Nicht nur musikalische.
    foto: apa / balazs mohai

    Die 1976 in Beirut geborene Yasmine Hamdan, die in ihrer Kindheit vor dem Bürgerkrieg floh, durchbricht selbstbewusst Normen. Nicht nur musikalische.

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