"Der Witwenclub": Tanz um den silbernen Herrn

15. Mai 2015, 08:52
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Die US-Komödie in den Volkstheater-Außenbezirken

Wien - Die Autoren von "Volkstheater/Bezirke" (so die künftige Bezeichnung der dezentralen Nebenschiene des Wiener Volkstheaters) heißen in der kommenden ersten Spielzeit von Intendantin Anna Badora: Yasmina Reza, Christine Lavant, Pia Hierzegger und Thomas Glavinic. Das deutet eine Verschiebung von (gewiss nicht zu verachtenden) Allerweltsklassikern in Richtung spezifische (österreichische) Gegenwartsdramatik an.

Vergangene Woche aber war noch einmal Gelegenheit, in alten Handschriften zu lesen. Man gab die US-Komödie Der Witwenclub von Ivan Menchell, ein Golden-Girls-Salonstück, in dem die drei Schauspielerinnen Doris Weiner, Elfriede Schüsseleder und Gabriele Schuchter charakterstarke Best-Ager-Typen zum Leben erweckten: die solid-häusliche, die sexy-übergriffige und die konservativ-gouvernantenhafte Lady. Das ist recht nett anzuschauen, doch bleibt die Erzählung stereotyp und allzu voraussehbar.

Das 1990 am Broadway uraufgeführte und drei Jahre später auch verfilmte Stück (im Original The Cemetery Club) fragt nach dem Liebesleben älterer Menschen, nachdem deren Ehepartner gestorben sind. Darf man sich nach zwei Jahren Witwenstatus wieder nach einem neuen Mann umsehen? No na. Und hier liegt auch die Schwäche des Stücks, das von einer allzu bornierten Ausgangslage weg das ohnehin Offensichtliche anschaulich zu machen trachtet.

Korallenrote Roben

In Christine Wipplingers Inszenierung trägt aber die Situationskomik, die zwischen den drei Friedhofsfreundinnen und jenem den Dreierbund erschütternden Witwer (Alfred Rupprecht) entsteht, über weite Strecken des knapp zweistündigen Abends. In korallenfarbigen Abendroben umtänzeln sie den begehrten Herren (kein Wunder bei den derzeitigen geschlechtsspezifischen Lebenserwartungsdaten).

Fragwürdig bleibt die eigenartig bläulich leuchtende Leinwand (Bühne: Hans Kudlich), die den Rücken des Wohnzimmers bildet. Offen ist auch, ob das alles nicht doch weitaus zu bieder ist für ein Publikum anno 2015? (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 15.5.2015)

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