EU-Studie: Hartes Vorgehen gegen Piraterie bringt nur kurzfristige Effekte

15. Mai 2015, 08:47
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Daten zeigen, dass Nutzer schnell auf andere Seiten ausweichen und Kosten für Behörden erhöht werden

Die Bekämpfung von illegal angebotenen Inhalten steht auf der Agenda von Rechteinhabern seit jeher ganz oben. Auch auf die Politik wird von Produktionsfirmen und Filmvertrieben Druck ausgeübt, härter gegen Online-Piraterie vorzugehen. So sollen etwa Netzsperren verhindern, dass Nutzer gewisse Portale erreichen können. Außerdem sollen Polizeibehörden vehement gegen die Betreiber von Piraterie-Websites vorgehen. Eine neue Studie, die im Auftrag der EU-Kommission erstellt worden ist, stellt die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens allerdings infrage.

Effekt von Kino.to-Schließung untersucht

So untersuchte das "Institute for Prospective Technological Studies", welche Auswirkung die Schließung der Seite "kino.to" im Juni 2011 auf das Nutzerverhalten hatte. Die Website war damals nach einem Polizeieinsatz offline gegangen, mehrere Betreiber mussten ins Gefängnis. Während des Prozesses gaben deutsche Behörden bekannt, dass ingesamt 1,74 Milliarden Mal Inhalte auf Kino.to abgerufen worden waren. Die Seite stellte im deutschsprachigen Raum eines der größten Portale seiner Art dar.

Kurzfristige Auswirkungen

Die Forscher zeigen, dass die Schließung der Seite einen unmittelbaren Effekt hatte: Um rund 30 Prozent sank die Nutzung von Piraterie-Portalen nach den Verhaftungen. Gleichzeitig stieg der Erwerb von digitalen Inhalten in legitimen Portalen wie iTunes oder MaxDome nur um 2,5 Prozent. Zusätzlich waren die Auswirkung nur von sehr kurzer Dauer: Nach wenigen Wochen gab es neue Dienste wie Kinox.to oder Movie2k – und die Besuchszahlen von Piraterie-Seiten hatten dasselbe Niveau als vor den Kino.to-Verhaftungen wieder erreicht.

Kein Mehrwehrt

Rechne man die Kosten für polizeiliche Ermittlungen und Einsätze dazu, habe die Taktik wohl keine positiven Auswirkungen auf den Markt, analysieren die Forscher. Sie führen zudem an, dass jeder Einsatz gegen Piraterie-Websites zu einer "Aufsplitterung" des Marktes führt und plötzlich drei neue Konkurrenz-Angebote entstehen. Damit ist laut Torrentfreak erstmals das sogenannte Hydra-Prinzip belegt. Die Forscher schränken allerdings ein, dass es im Untersuchungszeitraum 2011 weitaus weniger legale Dienste gab. Mittlerweile könnte der durch Netzsperren erzielte Effekt durchaus stärker sein.

Netzsperren trotzdem in Mode

Marktbeobachter und Aktivisten verweisen schon länger darauf, dass ein attraktives legales Angebot mit fairen Preisen der einzige Weg ist, um Piraterie zu bekämpfen. Als Beispiel werden etwa das werbefinanzierte Gratis-Angebot von Spotify genannt. Allerdings könnte das EU-Parlament demnächst Netzsperren forcieren. Über diese Frage kam es im EU-Kulturausschuss vor einigen Monaten zu einem Eklat. In Österreich sind Netzsperren durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs legal, momentan wird etwa kinox.to blockiert. (fsc, 15.5.2015)

  • Eine Studie wirft die Frage auf, ob hartes Vorgehen gegen Piraterie-Portale wirklich sinnvoll ist
    foto: epa/persson

    Eine Studie wirft die Frage auf, ob hartes Vorgehen gegen Piraterie-Portale wirklich sinnvoll ist

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