Motorensymposium: Das Auto ist nicht am Ende

14. Mai 2015, 18:25
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36. Wiener Motorensymposium: Immer mehr Elektroantrieb, doch der Verbrenner bleibt

Wien - Die automobile Fachwelt hatte es schon einmal leichter. Mit der Bedrohung des Verbrennungsmotors als Herzstück sehen viele schon das ganze Geschäftsmodell Automobil in Gefahr, zumindest in der Form, wie es bis jetzt verstanden wurde. Trotzdem: Ein Ende des Verbrennungsmotors ist noch nicht in Sicht, jedenfalls stellte dies die ungeteilte Ansicht der Experten auf dem 36. Wiener Motorensymposium dar.

Als wichtigste Botschaft der Automobil-Forscher gilt wohl das Bekenntnis zum Plug-in-Hybrid, weil damit rein elektrisches Fahren möglich ist. Durch den Verbrennungsmotor können trotzdem gewohnte Reichweiten erzielt werden, das ist jedenfalls die zentrale Botschaft des Veranstalters, vertreten durch Motorenprofessor Hans-Peter Lenz.

48 Volt wieder ein Thema

Für Peter Gutzmer, Technologie-Vorstand der Schaeffler AG, stellen vor allem die Getriebe einen Schlüssel zu Antrieben mit hohem Wirkungsgrad dar, da sie im Rahmen der zunehmenden Elektrifizierung als Bindeglied zwischen Verbrenner und Elektroantrieb fungieren. In Sachen Elektrifizierung sind 48 Volt wieder ein Thema. Auf der Ebene der Niederspannungs-Hybridisierung ist auch Hyundai-Kia sehr aktiv. Mit vergleichsweise geringem Aufwand können erhebliche CO2- und Kraftstoffeinsparungen realisiert werden.

Ford hat mit Zylinderabschaltung beim Dreizylinder einen weiteren wichtigen Beitrag für das untere Preissegment geliefert. So ist durch die phasenweise Stilllegung der Verbrennung im mittleren der drei Zylinder kostengünstig noch eine bedeutende Verbrauchsreduktion möglich.

Kompakte Messgeräte

Ein wichtiges Kapitel nennt sich RDE, Real Driving Emissions. Den Autoherstellern steht nämlich nicht nur ein der Realität näherer Prüfstands-Zyklus namens WLTP-Zyklus bevor, sondern zusätzlich eine tatsächlich auf der Straße gefahrene Messung. Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Messgeräte so kompakt sind, dass man sie im oder am Auto mitführen kann. Messgeräte- und Motorenspezialist AVL Graz hat hier Pionierarbeit geleistet. Details über Messung und Streckenauswahl sind noch nicht fix, als Einführungsdatum wird aber bereits 2017 genannt.

Rolf Burlander, Geschäftsführer Robert Bosch GmbH, sieht unter anderem für die alte Idee der Wassereinspritzung neue Chancen: Durch die Kühlwirkung ist eine höhere Verdichtung möglich und damit ein Verbrauchsvorteil von etwa vier Prozent, allerdings muss man dann einen Wassertank mitführen.

Erdgas soll kommen

John Fuerst, Vice President Engineering beim Bosch-Konkurrenten Delphi, geht von steigender Bedeutung von Erdgas aus, und zwar in Form von Hochdruck-Direkteinspritzung; Einblasung müsste man eigentlich sagen, im Lkw auch für Dieselmotoren.

Masanori Sugiyama, Engine-Engineering Toyota, sieht für das stufenlose CVT-Getriebe noch großes Potenzial zur Verbesserung des Wirkungsgrades.

Beherrschung der Zellen

Klaus Fröhlich, Entwicklungsvorstand BMW AG, betonte in seinem Vortrag mit Schwerpunkt Elektromobilität die Notwendigkeit, auch die Vorgänge in den Batteriezellen zu beherrschen, damit die Kernkompetenz im Automobilbau weiterhin bei den Autoherstellern bleibt. Und er prophezeit eine Verdreifachung der Energiedichte der Li-Ionen-Batterien bei Halbierung des Preises pro Kilowattstunde in den kommenden zehn Jahren. Damit würde wohl auch eine enorme Aufwertung der Elektromobilität einhergehen.

Auch VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer betont, dass ohne E-Mobilität die Flottenziele nicht durchzusetzen seien. Und ohne Diesel würde VWs Neuwagenflotte um 13 Prozent mehr CO2 emittieren. (Rudolf Skarics, 15.5.2015)

  • Auch eine Erkenntnis vom Motorensymposium: Ford probt für seinen 3-Zylinder nun sogar Zylinderabschaltung.
    foto: ford

    Auch eine Erkenntnis vom Motorensymposium: Ford probt für seinen 3-Zylinder nun sogar Zylinderabschaltung.

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