"Warmblütiger" Fisch: Der Gotteslachs ist ein endothermes Tier

14. Mai 2015, 20:28
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US-Forscher fanden heraus, dass Gotteslachse die Temperatur ihres Körpers konstant durch eigene Wärmeproduktion regulieren - und zu den endothermen Tieren zählen

La Jolla - Über die Gotteslachse, auch Opahs genannt, war bislang nur wenig bekannt. Klar war, dass diese Meeresfischgattung aus nur zwei Arten besteht, die als Einzelgänger in Tiefen von bis zu 500 Metern leben. Bei Freizeitanglern sind sie aufgrund ihrer Erscheinungsform als Trophäen ebenso begehrt wie bei Feinschmeckern als Delikatessen - wohl auch deshalb, weil sie nur selten, und wenn, dann zufällig gefangen werden.

Eine neue Studie von Forschern der National Oceanic and Atmospheric Administration (Noaa) in Kalifornien bringt nun ein sensationelles Detail über den Meeresbewohner an die Oberfläche: Wie die Wissenschafter um Nick Wegner im Fachblatt Science berichten, handelt es sich dabei nämlich um den ersten Fisch, der eindeutig als sogenanntes endothermes Tier gelten kann, also als "Warmblüter", der seine Körpertemperatur durch eigene Wärmeproduktion von innen her reguliert.

Im Gegensatz zu den ebenfalls endothermen Säugetieren und Vögeln sind die allermeisten Fische wechselwarm und ektotherm: Sie weisen also einerseits keine konstante Körpertemperatur auf, andererseits ist ihr Stoffwechsel von der Außentemperatur abhängig.

Jäger im Vorteil

Von einigen wenigen Fischen (etwa Thunfischen) ist zwar bekannt, dass sie über ein mit der Muskulatur verbundenes Blutgefäßsystem die beim Schwimmen erzeugte Wärme in das Körperinnere leiten und so die Temperatur von Augen und Gehirn zeitweise über der Umgebungstemperatur halten können. In größeren Tiefen kühlen sie aber schnell ab und müssen wieder in seichtere Gefilde zurückkehren, um sich aufzuwärmen.

Auf die Gotteslachse trifft dies offenbar nicht zu: Sie erzeugen ihre Körperwärme ebenfalls beim Schwimmen, genauer gesagt durch das schnelle Bewegen ihrer Brustflossen. Dank eines einzigartigen Wärmeaustauschsystems zwischen den Muskeln, den Kiemen und dem Körperinneren sowie isolierender Fettschichten können sie ihre Körpertemperatur jedoch konstant über der Wassertemperatur halten - selbst bei Ausflügen in kühlere Tiefen.

Der Vorteil gegenüber ektothermen Konkurrenten, die in kalter Umgebung meist langsam und träge sind und, um Energie zu sparen, ihrer Beute auflauern, ist klar: Gotteslachse dürften auch in tieferen Meeresregionen äußerst schnelle, aktive Jäger sein, die sich problemlos über weite Distanzen fortbewegen können. Und nebenbei schreiben sie jetzt auch noch Biologiegeschichte: Denn die Säugetiere und Vögel sind offenbar keineswegs die einzigen Wirbeltiere mit einem warmen Herzen. (David Rennert, 14.5.2015)

  • Eine Trophäe der etwas anderen Art: Meeresbiologe Nick Wegner mit einem  Exemplar des ersten bekannten "warmblütigen" Fisches vor der Küste  Kaliforniens.
    foto: noaa fisheries

    Eine Trophäe der etwas anderen Art: Meeresbiologe Nick Wegner mit einem Exemplar des ersten bekannten "warmblütigen" Fisches vor der Küste Kaliforniens.

  • Ein mit einem Sensor zur Messung der Körpertemperatur ausgestattes Exemplar wird wieder ausgesetzt.
    foto: noaa fisheries

    Ein mit einem Sensor zur Messung der Körpertemperatur ausgestattes Exemplar wird wieder ausgesetzt.

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