Wie sich die sehr virtuelle "Game of Thrones"-Ausstellung real anfühlt

15. Mai 2015, 08:10
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Der Iron Throne ist echt, der Drache feuert digital – und die legendäre Mauer ist recht grob verpixelt

Das Spiel der Throne in den fernen Landen Westeros und Essos empfiehlt sich im Grunde nicht für eine Teilnahme. Es beruht nämlich auf der Regel: Entweder du gewinnst, oder du stirbst.

So stand es auch auf der Stofftasche einer Schülerin zu lesen, die sich am Mittwochnachmittag in einer langen Schlange von Menschen angestellt hatte, die auf Zugang zu "Game of Thrones – The Exhibition" in der Berliner Veranstaltungshalle Arena warteten.

Zu gewinnen gibt es nicht viel – mehr als ein Thron steht nicht zur Verfügung. Das bedeutet im Umkehrschluss: Es müssen wohl ziemlich viele Figuren sterben, entweder in überraschenden, individuellen Momenten oder aber auch bei einem Massaker, das sich jederzeit und unerwartet ereignen kann – etwa im Rahmen einer heiratspolitischen Feierlichkeit.

Der Drache feuert digital

foto: apa/epa/jens kalaene

Die Ausstellung ist dieser inhaltlichen Vorbehalte ungeachtet ganz und gar auf Teilnahme hin ausgerichtet. Und zwar auf die folgenlose, aber faszinierende Teilnahme, die von den digitalen Technologien ermöglicht wird.

Man kann zwar zwischendurch auch einen Blick auf das eine oder andere Kostüm werfen, aber im Grunde ist das eine Schau, die mit mindestens einem Bein im Virtuellen stattfindet. Der Clou sind nämlich die Foto-Ops, also Szenenbilder, in die sich die Besucher stellen können und in die hinterher digital das dramatische Momentum hineinkopiert wird.

So spielen dann Paare mittleren Alters oder kreischende Teenager vor einer imaginären Kulisse, wie sie sich eines feuerspeienden Drachens erwehren. Das Feuer ist hier in der Ausstellung noch nicht zu sehen, man kann es hinterher im Netz abrufen, wo die errechneten Bilder zugänglich gemacht werden. Dafür muss man einen Code beantragen, für den man eine E-Mail-Adresse angeben muss.

Einmal auf dem Iron Throne

foto: apa/jens kalaene

"Game of Thrones – The Exhibition" lässt sich als Andeutung eines neuen Ausstellungstypus sehen, in dem die Interaktivität das entscheidende Faktum wird. Bisher ging man ins Museum oder in die Kunsthalle, um Wirklichkeit zu sehen: den realen Marmor des Moses des Michelangelo, die echte Mona Lisa, das Urinoir, das Duchamp umgewidmet hatte.

Davon finden sich hier nur noch Spuren, eine davon ist allerdings von nicht zu unterschätzender Bedeutung: Man kann sich auf dem Iron Throne fotografieren lassen, auf dem allerdings niemand lange verweilen darf. Das Vorbeitreiben der Besuchermassen an diesem Artefakt wird zum Sinnbild für die Serie selbst, der allerdings dieser Ausstellungsrummel keinerlei Gerechtigkeit widerfahren lässt. Denn die Serie ist großartig.

An der Mauer – mit groben Pixeln

Die spektakulärste Übung in "Game of Thrones – The Exhibition" stellt schließlich eine Virtual-Reality-Inszenierung dar: Für "Ascend the Wall" bekommt man eine Datenbrille aufgesetzt und findet sich dann an der schwindelerregend hohen Mauer wieder, die im Reich von George R. R. Martin eine so wichtige Rolle spielt.

Datentechnisch sieht das noch ein wenig armselig aus, die Welt ist arg grob gepixelt, aber wenn es einem dann den Boden unter den Füßen wegzieht, ist das ziemlich egal.

Man versteht, warum unter den endlos langen Geschäftsbedingungen auch nach dem Gesundheitszustand der Besucher gefragt wird. Das Game of Thrones ist nun einmal nichts für Menschen mit schwachen Nerven. (Bert Rebhandl, 15.5.2015)

"Game of Thrones – The Exhibition" ist in Berlin noch bis 17. Mai zu erleben.

Link

gotexhibit.com

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