Baltische Staaten wollen NATO um Tausende Soldaten bitten

14. Mai 2015, 14:50
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Jedes der baltischen Länder soll über ein eigenes dauerhaftes Bataillon verfügen

Vilnius - Vor dem Hintergrund der Spannungen mit Russland im Ukraine-Konflikt wollen die baltischen Staaten die NATO um die Stationierung Tausender Soldaten in ihren Ländern bitten. "Wir streben eine Einheit in Brigade-Größe an, sodass jedes der baltischen Länder über ein Bataillon verfügt", sagte der litauische Armeesprecher Mindaugas Neimontas am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Eine formelle Anfrage Estlands, Lettlands und Litauens werde wahrscheinlich nächste Woche an NATO-Oberbefehlshaber Philip Breedlove gestellt. Die drei ehemaligen Sowjetrepubliken streben den Angaben zufolge die Stationierung "dauerhafter NATO-Truppen auf Rotationsbasis" an. Dies solle angesichts der "Sicherheitslage in der Region" zur "Abschreckung" dienen.

Eine konkrete Zahl zur Truppenstärke nannte der Sprecher nicht. Eine Brigade kann jedoch über rund 3.000 Soldaten verfügen. "Wir möchten eine brigadegroße Einheit, um jederzeit ein Bataillon (...) in jedem baltischen Staat zu haben", sagte Neimontas.

Deutschland kritisch

Die USA haben seit dem vergangenen Jahr rund 600 Soldaten auf Rotationsbasis im Baltikum und in Polen stationiert. Einige NATO-Mitglieder wie Deutschland sehen eine dauerhafte Stationierung jedoch kritisch, da diese ein Abkommen aus dem Jahr 1997 zwischen der NATO und Russland verletzten könne. Nach Angaben einiger NATO-Diplomaten will sich das Bündnis indes statt auf dauerhafte Stationierungen auf die neue sogenannte "Speerspitze" konzentrieren, die in Krisenfällen schnell einsatzbereit wäre.

Die baltischen Staaten, NATO-Mitglieder seit 2004, standen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1991 unter sowjetischer Vorherrschaft. Angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine-Krise fürchten die baltischen Länder, dass Moskau versuchen könnte, auch sie zu destabilisieren. Militärisch hätten Estland, Lettland und Litauen Russland nicht viel entgegenzusetzen. (APA, 14.5.2015)

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