Ehemaliger Tschetnik-Führer Mihailovic rehabilitiert

14. Mai 2015, 14:43
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Todesurteil gegen Monarchistenführer von 1946 aufgehoben

Belgrad - Nach einem Marathonprozess hat ein Belgrader Gericht am Donnerstag den einstigen königlich-jugoslawischen Offizier und Tschetnik-Kommandanten im Zweiten Weltkrieg, Draza Mihailovic, rehabilitiert. Das 1946 im Kommunismus verhängte Todesurteil, das im selben Jahr vollstreckt wurde, wurde aufgehoben.

Laut Medienberichten ist das heutige Gerichtsurteil endgültig. Eine Berufungsmöglichkeit gebe es nicht, hieß es.

Mihailovic wurden posthum auch die 1946 entzogenen Bürgerrechte wieder zuerkannt. Laut Gericht wurde Mihailovic 1946 nicht das Recht auf Verteidigung gewährt; er habe seinen Anwalt bis zum Prozessbeginn nicht gesehen und die Anklage erst sieben Tage vor Prozessbeginn erhalten. Das damalige Urteil sei aus "politischen und ideologischen Gründen" gefällt worden, stellte das Gericht fest.

Den Rehabilitierungsantrag hatte 2006 ein Enkel Mihailovic' gestellt. Später schlossen sich dem Antrag auch einige nationalistische Parteien und Verbände an. Erst kürzlich musste der Prozess wegen eines Richterwechsels neu aufgenommen werden.

Auch Seselj bei Verkündung

Der Urteilsverkündung wohnten u.a. der serbische Thronprätendent Alexander Karadjordjevic, aber auch der wegen Kriegsverbrechen angeklagte serbische Ultranationalist Vojislav Seselj bei. Auch eine Vertreterin der Tschetnik-kritischen Menschenrechtsorganisation "Frauen im Schwarz" war anwesend.

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich sowohl Anhänger Mihailovics, die "Tschetniks", wie auch Gegner, "die Partisanen" und "Kommunisten". Ein starkes Polizeiaufkommen sorgte wie im Verlauf des gesamten Prozesses dafür, dass die beiden Gruppen nicht aneinandergerieten.

Das serbische Verfassungsgericht hatte im September 2012 entschieden, dass die Tschetniks keine Teilnehmer am Volksbefreiungskampf im Zweiten Weltkrieg gewesen seien. Wo Mihailovic begraben wurde, ist bis heute unbekannt.

Der 1946 von den Kommunisten erschossene serbische Monarchistenführer und General Dragoljub ("Draza") Mihailovic ist rehabilitiert worden. Nach neunjährigem Verfahren urteilte das Höhere Gericht am Donnerstag als letzte Instanz in Belgrad, das damalige Gerichtsverfahren sei "aus politischen und ideologischen Gründen ungesetzlich" gewesen. Mihailovic war von 1941-1943 Kriegsminister der Exilregierung des Königreichs Jugoslawiens. Seine großserbischen Verbände (Tschetniks) hatten im Zweiten Weltkrieg nicht nur gegen die deutschen Besatzer, sondern auch gegen die kommunistischen Partisanen des späteren Staatsgründers Josip Broz Tito (1892-1980) gekämpft. (APA, 14.5.2015)

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