Privatiers stiften lieber in Liechtenstein

15. Mai 2015, 05:30
52 Postings

Das Gesetz für Privatstiftungen in Österreich ist seit 1993 mehrfach reformiert worden – nicht immer zum Vorteil der Stifter

Wien – Privatstiftungen waren in Österreich in den vergangenen Jahren ein oft gewähltes Modell, um das Familiensilber zusammenzuhalten oder so zu strukturieren, wie der Stifter es gerne wollte. Die Veränderungen im österreichischen Stiftungsrecht haben allerdings dazu geführt, dass die heimische Stiftung ein immer unbeliebteres Modell geworden ist. Zum einen hat sich das gesetzliche und steuerliche Umfeld in den vergangenen Jahren geändert. So wurde etwa die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft. Zum anderen prallten viele Stifter bezüglich ihrer Einflussnahme auf das in die Stiftung eingebrachte Vermögen beziehungsweise die erbrechtlichen Folgen auf einen harten Boden. Ohne Änderungs- oder Widerrufsrecht hat der Stifter nämlich kaum noch Einfluss.

Die Folge: Wurden seit der Einführung der Stiftungen 1993 im Schnitt 160 bis 200 Stiftungen pro Jahr gegründet, hat sich dieser Trend gedreht. 2012 war das erste Jahr, in dem erstmals weniger Privatstiftungen gegründet wurden als noch im Jahr davor. Seitdem überwiegen Auflösungen. 2014 wurden 22 Einrichtungen gelöscht, heuer waren es bereits fünf. Ein Blick in die Statistik vom Stiftungsverband zeigt, dass es per Anfang Mai damit in Österreich nur noch 3230 Privatstiftungen gab. Deren geschätztes verwaltetes Vermögen liegt bei 70 Milliarden Euro, rund zwei Drittel davon sind Unternehmensbeteiligungen mit rund 400.000 Mitarbeitern.

Liechtenstein als Alternative

Immer beliebter bei reichen Privatpersonen wird hingegen das liechtensteinische Stiftungsmodell. Bei der liechtensteinischen Stiftung sei die Einsetzung eines Kontrollorgans nicht zwingend, bei der österreichischen Stiftung schon, erklärt Robert Löw, Vorstand der Liechtensteinischen Landesbank, die Unterschiede. Der Stiftungsvorstand (muss in Österreich aus mindestens drei Personen bestehen, in Liechtenstein gibt es keine Vorschrift) darf hierzulande im Gegensatz zum Fürstentum nicht begünstigt sein.

Die laufenden Steuern stellen bei der Stiftung in Liechtenstein ebenfalls einen Vorteil dar. So sind im Fürstentum Ausschüttungen (Dividenden sowie Kapital- und Liquidationsgewinne von in- und ausländischen Beteiligungen) steuerfrei, während in Österreich auf Zinsen und Wertpapiererträge 25 Prozent KESt anfallen - eine Erhöhung auf 27,5 Prozent gilt mit der aktuellen Steuerreform als fix. Zudem gibt es in Liechtenstein den Eigenkapital-Zinsabzug von vier Prozent. "Investiert man in eine Anleihe, die acht Prozent Rendite verspricht, sind die ersten vier Prozent steuerfrei. Erst für den Anteil, der die vier Prozent übersteigt, fallen Zinsen in der Höhe von 12,5 Prozent an", erklärt Löw. Das ist immer noch die Hälfte dessen, was in Österreich abgeführt werden muss.

Die laufenden Kosten für eine Stiftung im Fürstentum gibt Löw umgerechnet mit rund 7000-9000 Euro an. In Österreich seien diese laut Löw "etwa dreimal so hoch".

Durch das Abkommen mit der OECD und dem Steuerabkommen zwischen Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein könne man bei Stiftungen in Liechtenstein auch nicht mehr den Aspekt ins Treffen führen, dass dort etwas "versteckt" werden soll. "Es geht um Diskretion", sagt Löw. (Bettina Pfluger, 15.5.2015)

  • Das Fürstentum Liechtenstein lockt Investoren schon seit vielen Jahren an. Aktuell entdecken Stifter das Nachbarland, weil die steuerlichen Bedingungen für Privatstiftungen attraktiv sind.
    foto: apa/karl-josef hildenbrand

    Das Fürstentum Liechtenstein lockt Investoren schon seit vielen Jahren an. Aktuell entdecken Stifter das Nachbarland, weil die steuerlichen Bedingungen für Privatstiftungen attraktiv sind.

Share if you care.