EU-Parlamentspräsident Schulz mit Aachener Karlspreis ausgezeichnet

14. Mai 2015, 17:05
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Für "Verdienste um demokratische Legitimation in der EU" - SPD-Politiker wirbt eindringlich für die Gemeinschaft

Europa sei stärker denn je bedroht: Terrorismus, Syrien, Irak, Libyen. Direkte Folge davon sei die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer. Darauf müsse man eine gemeinsame Antwort finden, wobei Paris und Berlin eine besondere Verantwortung zukomme - das stellte der französische Staatspräsident François Hollande am Donnerstag bei einer Rede zur Verleihung des Karlspreises in Aachen ins Zentrum seiner Gedanken.

Den Preis erhielt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Aachen erinnere, so Hollande, an 1200 Jahre europäischer Geschichte: Von hier aus sei einst ein "europäisches Projekt" gestartet worden. Über Jahrhunderte seien die Völker durch Hass und Feindschaft gegangen. Schulz würdigte er als Mann, der in vorbildhafter Weise "Erbe und Ideal" der Einigung Europas verbreite.

Mehrere Lobeshymnen

Neben Hollande hielten auch der deutsche Präsident Joachim Gauck sowie Jordaniens König Abdullah eine Laudatio. Der spanische König Felipe und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko waren ebenso anwesend wie alle Spitzen der EU-Institutionen und mehrere Regierungschefs, darunter auch Werner Faymann.

Schulz rief diese dazu auf, damit aufzuhören, alle Misserfolge "auf Brüssel" abzuschieben, Erfolge hingegen auf die nationalen Fahnen zu heften. Es gelte, dem Nationalismus zu begegnen, das Vertrauen wiederzugewinnen. Er habe sich zum Ziel gesetzt, "die Fenster und Türen für die Bürger zu öffnen". Aufgabe müsse es sein, das "Haus Europa nicht als Ruine zu hinterlassen". (Thomas Mayer aus Aachen, 14.5.2015)

Wissen

Der internationale Karlspreis der deutschen Stadt Aachen gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen Europas. Er wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen vergeben, die sich in führender Position um die europäische Einigung verdient gemacht haben.

Ins Leben gerufen wurde der Karlspreis auf Initiative des Aachener Kaufmanns Kurt Pfeiffer: Er regte 1949 die Schaffung eines Preises für Verdienste um die westeuropäische Verständigung und den Weltfrieden an.

Zum Namensgeber wurde Kaiser Karl der Große, der als erster Einiger Europas gilt und im 8. Jahrhundert Aachen in Zeiten des "Reiseherrschertums" zu seiner Lieblingspfalz, also zu seiner bevorzugten, vorrübergehenden Residenz, erkor. Der Karlspreis besteht aus einer Urkunde, einer Medaille und einem Geldpreis von 5.000 Euro. Er wird traditionell zu Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Aachener Rathauses verliehen.

  • "Wir haben Menschenrechte und Pressefreiheit, aber keine Todesstrafe oder Kinderarbeit. Warum sind wir darauf nicht stolz?" Martin Schulz
    foto: reuters/ina fassbender

    "Wir haben Menschenrechte und Pressefreiheit, aber keine Todesstrafe oder Kinderarbeit. Warum sind wir darauf nicht stolz?" Martin Schulz

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