Robert Gucher vor Aufstieg in Serie A

14. Mai 2015, 13:30
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Steirer benötigt mit Frosinone noch einen Sieg in letzten zwei Runden, in der 50.000-Einwohner-Stadt ist "Euphorie ausgebrochen"

Frosinone – In Italiens höchster Fußballliga könnte ab kommender Saison wieder ein Österreicher im Einsatz sein. Robert Gucher steht mit Frosinone unmittelbar vor dem Sprung in die Serie A – bei einem Sieg am Samstag zu Hause gegen Crotone hätte der Verein aus dem Latium, der vor einem Jahr noch drittklassig war, schon eine Runde vor Schluss den Aufstieg fix in der Tasche.

"Laut Papierform sollten wir es schaffen, aber in der Serie B kann man nie wissen", sagte der Steirer der APA. "In dieser Liga kann jeder jeden schlagen, und Crotone braucht im Abstiegskampf dringend Punkte. Unsere Motivation, dass wir in die Serie A kommen, muss größer sein als die Motivation von Crotone, in der Liga zu bleiben."

Gelb-blaues Meer

In der 50.000-Einwohner-Stadt Frosinone ist man schon ganz auf den Aufstieg ins italienische Oberhaus eingestellt - bereits jetzt sind in der Stadt die gelb-blauen Clubfarben unübersehbar. "Überall sieht man Fahnen und Schals, sogar auf der Kirche im Stadtzentrum hängt eine große Vereinsfahne", erzählt Gucher.

Unter Druck gesetzt fühlt sich der 24-Jährige deswegen jedoch nicht. "Es ist eine richtige Euphorie ausgebrochen, aber eine positive Euphorie. Die Menschen sind einfach dankbar dafür, dass sie überhaupt vom Aufstieg in die Serie A reden können."

Volles Stadion

Sollte der entscheidende Schritt am Samstag im mit knapp 10.000 Zuschauern ausverkauften Stadio Comunale Matusa gelingen, wäre dies "ein Wahnsinn, ein Wunder. Aber auch, wenn wir es nicht in die Serie A schaffen, hätten wir eine unglaubliche Saison gespielt", betonte Gucher.

Seine Mannschaft hat zwei Runden vor Schluss den zweiten Tabellenrang, der zum Direktaufstieg berechtigt, um vier Punkte abgesichert. Die Vereine auf den Plätzen drei bis acht - darunter befinden sich derzeit Bologna mit ÖFB-Teamspieler György Garics und dessen Landsmann Marcel Büchel sowie Spezia mit Ex-Austria-Coach Nenad Bjelica - spielen sich den letzten Aufstiegsplatz aus.

Heimvorteil im Hexenkessel

Auf eine Teilnahme am Serie-A-Play-off würde Gucher gern verzichten - und setzt in diesem Zusammenhang auf den Heimvorteil am Samstag. "Wir haben in den letzten drei Jahren zu Hause nur ein Spiel verloren. Unser Stadion ist ein Hexenkessel, die Fans sitzen ganz nahe am Spielfeld, da versteht man sein eigenes Wort nicht", erklärte der 24-Jährige.

Gucher machte mit dieser Atmosphäre erstmals 2008 Bekanntschaft, als er vom GAK zu Frosinone wechselte. Nach einer Zwischenstation 2011/12 beim Kapfenberger SV spielt er seit fast drei Jahren wieder für den italienischen Provinzclub. "Ich habe dort sofort das Vertrauen gespürt. Mit dem Trainer Roberto Stellone habe ich am Anfang noch selbst zusammengespielt, er ist fachlich und menschlich sehr gut", meinte Gucher.

Kapitän

Der frühere U20-WM-Teilnehmer nimmt bei Frosinone eine Schlüsselrolle ein - nicht nur im zentralen Mittelfeld, sondern auch als Kapitän. "Dass ich zum Kapitän gemacht wurde, ist für mich ein großer Vertrauensbeweis, und ich glaube, dass ich das gut zurückgezahlt habe", sagte Gucher.

Der Steirer ist einer der Anführer einer Mannschaft, die laut Gucher aus "25 Freunden" besteht. "Es hat sich ein unglaublicher Teamspirit entwickelt, die Spieler identifizieren sich mit dem Verein und jeder versteht sich mit jedem."

Das Aufgebot von Frosinone ist seit längerem praktisch unverändert. "Mit Ausnahme eines Spielers haben wir dieselbe Mannschaft wie in der dritten Liga. Beim Verein wird kein Wert auf große Namen gelegt, sondern auf junge, hungrige und intelligente Spieler", betonte der frühere ÖFB-Nachwuchs-Teamspieler.

Interessenten

Diese Attribute machten auch Gucher selbst für andere Vereine interessant: Angeblich erkundigten sich schon Klubs wie Lazio Rom und Sampdoria bei Frosinone-Boss Maurizio Stirpe. "Ich weiß von ihm, dass es Anfragen gibt, aber im Moment konzentriere ich mich nur auf das Meisterschaftsfinale", sagte Gucher.

Der Vertrag des gebürtigen Grazers wurde erst im Herbst bis 2017 verlängert. "Wenn wir in die Serie A aufsteigen, wäre es dumm zu wechseln. Falls es nicht klappen sollte, hat man mir vonseiten des Vereins gesagt, dass es wahrscheinlich schwierig wäre, mich zu halten." (APA, 14.5.2015)

  • Im Jahr 2011 kickte Gucher noch für den damaligen Bundesligisten Kapfenberger SV und bekam es daher auch mit RB Salzburg und Christoph Leitgeb (re.) zu tun.
    foto: apa/ leodolter

    Im Jahr 2011 kickte Gucher noch für den damaligen Bundesligisten Kapfenberger SV und bekam es daher auch mit RB Salzburg und Christoph Leitgeb (re.) zu tun.

  • Gucher (vorne) beim Training für die U20-WM in Kolumbien 2011.
    foto: epa/ricardo maldonado

    Gucher (vorne) beim Training für die U20-WM in Kolumbien 2011.

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