Song Contest: Der Fanfaktor bei der "paneuropäischen Party"

Blog14. Mai 2015, 13:43
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Die EBU lässt Fans am Eurovision Song Contest aktiv partizipieren – zum Beispiel im Euro Fan Café

Bis 1999 fand der Eurovision Song Contest vorzugsweise in hübschen Theatern mit gediegenem Publikum in Abendrobe und Frack statt. Dass änderten – wieder einmal – die Skandinavier. 2000 in Stockholm fand der Bewerb vor damals sensationellen 13.000 Zuschauern und Zuschauerinnen statt. Dänemark toppte ein Jahr darauf mit dem bisher unerreichten Rekord von 40.000 Menschen. Diese neuen Möglichkeiten schufen die Basis dafür, dass nicht nur Eliten, eingeladen von nationalen Sendern, beiwohnen konnten, sondern massenhaft Fans kamen. Die Tourismusindustrie entdeckte zu dieser Zeit das Potenzial des Song Contests und sein Publikum mit zahlreichen reisefreudigen Menschen, darunter viele Schwule.

Die EBU ließ nach und nach die Fans, organisiert traditionell in den Fanclubs der OGAE (Organisation Générale des Amateurs de l'Eurovision), zu dem Bewerb kommen, Fanticket-Packages wurden vergeben. Die vordersten Reihen gehören mittlerweile den treuen Fans – was auch logisch ist. Denn wer sonst jubelt bei jedem Beitrag und sorgt für tolle Bilder im Fernsehen?

Euro Fan Café

Seit 2006 in Athen gibt es alljährlich auch das Euro Fan Café, das vom jeweiligen Fanclub des Austragungslandes bespielt wird und offizieller Teil der Eurovisionswelt ist. Der Vorteil gegenüber dem Euroclub ist deutlich, denn während in den Euroclub (dieses Jahr in der Ottakringer Brauerei) nur die akkreditierte Eurovisionsblase rein darf, ist das Fan Café für alle offen, vorausgesetzt man hat Karten ergattert. In Wien hat die OGAE Austria ihr Quartier in der EMS-Lounge in der Dietrichgasse 25 im dritten Bezirk bezogen. Die Vorverkaufstickets sind bereits ausverkauft, aber an der Abendkassa gibt es noch Tickets. Am Sonntag wird unter anderem mit Conchita Wurst eröffnet, die Songs aus ihrem neuen Album "Conchita" präsentieren wird.

Eurovisionäres Programm

Das Programm ist eine gute Mischung aus zeitgenössisch und nostalgisch, also in höchstem Maße eurovisionär. Ob Acts aus früheren Jahren – unter anderem Waterloo & Robinson, Thomas Forstner, Tony Wegas, Stella Jones, Niamh Kavanagh, Anne Marie David – oder Künstler und Künstlerinnen der jüngeren Jahre Nadine Beiler, Hera Björk, Conchita Wurst). Zusätzlich werden laufend auch die Kandidaten und Kandidatinnen des diesjährigen Contests auftreten.

Ich liebe den Eurovision Song Contest, weil …?

Bei der Präsentation des Fan Cafés habe ich mich umgehört und Fans gebeten, einen Satz zu vervollständigen: "Ich liebe den Eurovision Song Contest, weil …". Hier die Ergebnisse:

foto: marco schreuder
"… weil er traditionell und dieses Jahr ganz besonders das interessanteste, wichtigste, fetteste, coolste, unterschätzteste Kulturevent unseres Kontinents ist und weil es hier in Wien groß wird, das ist mein Gefühl, in einer Stätte wo Conchita immer noch die Thronherrin ist, da kann es nur gut werden." Jan Feddersen, Journalist bei der "taz", eurovision.de
foto: marco schreuder
"… weil die zwei Minuten bevor die Übertragung beginnt, der tollste Moment für mich ist, wenn der europäische Einheitsgedanken zu tragen kommt und man selbst gelebter Teil davon ist." Markus Tritremmel, Präsident der OGAE Austria
foto: marco schreuder
"… weil wir Fans eine große Familie sind." Bea und Arnold de Vrind, Betreiber des Fanshops bearecords.nl
foto: marco schreuder
"… weil es eine alle verbindende paneuropäische Party ist." Kerstin Schinnerl
foto: marco schreuder
"… weil ich überzeugte Europäerin bin und diese Idee nirgendwo so gut rüberkommt als bei diesem Event." Claudia Weymayer-Czaak
foto: marco schreuder
"… weil er völkerverbindend ist." Jürgen Freudenthaler
foto: marco schreuder
"… weil er so schön schrill ist." Kurt Freudenthaler
foto: marco schreuder
"… weil ich mein Studium und meine Freizeit damit verbinden kann, denn ich schreibe meine Masterarbeit über die österreichische Song-Contest-Fangemeinde und deshalb liebe ich das." Maximilian Bauer
foto: marco schreuder
"… weil er eine wunderbare Fan-Community hat, der nichts zu peinlich ist, zudem gibt es nichts schöneres als etwa sechs Leute, die in einem hellen Raum, während ein Kellner aufräumt, wild zu Eurovisionsmusik tanzen und so ist es – egal wo man ist – immer schön beim Song Contest." Anna Grassler
foto: marco schreuder
"… weil sich ganz Europa friedlich trifft." Michael Weymayer

Und wie ist das bei Ihnen? "Ich liebe den Eurovision Song Contest, weil …?" Posten Sie Ihre Antworten im Forum! (Marco Schreuder, 14.5.2015)

Marco Schreuder ist seit 1976 Eurovision-Song-Contest-Fan, hat seither keinen einzigen Song Contest ausgelassen und ist Bundesrat der Grünen.

Links

Euro Fan Café

OGAE Austria

eurovision.de

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