"Hart aber fair" über Griechenland: Deutscher Verstand mit Sauce

14. Mai 2015, 10:19
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Wieder einmal ging es um "zockende Griechen"

Hart aber fair heißt die Talkshow von Frank Plasberg. Das "fair" vermisste man am Montag. Es ging wieder einmal um "die Griechen", die "zocken" (verhandeln), und darum, ob sie "aus dem Euro fliegen" sollten.

Die tendenziöse Art, wie hier über eine Regierung diskutiert wurde, die den Karren aus dem Dreck ziehen will, den nicht sie dort geparkt hat, wie Journalist Elias Bierdel vergebens einwarf, erlebte neue Tiefpunkte.

Körpersprache

Da waren die mit den "harten Fakten": Brüsselkorrespondentin Silke Wettach, die von der "Körpersprache" der Finanzminister und dem, was sie "so aus Notenbankenkreisen höre", berichtete. Oder Markus Söder (CSU), Finanzminister Bayerns, der "aggressive Töne" bei den Griechen, die "ihre Hausaufgaben machen sollen", ortet. Auf Bayrisch: "Freibier für alle kann nicht das Motto sein."

Auf der anderen Seite waren die linken Träumer, wie Giorgos Chondros aus dem Syriza-Vorstand, der sich "äußern durfte", wie Plasberg jovial betonte. Der Grieche versuchte auf "Untertöne" im Studio einzugehen und schockierte mit Syrizas radikalem Programm: "Wachstum erzielen und davon unsere Kredite zurückzahlen". Hinter Chondros und Bierdel, der der EU "widerliche Unsolidarität" vorwarf, war ein Meuchelfoto Tsipras' mit geöffnetem Mund und geballter Faust in Blutrot an die Wand projiziert.

Verwandtenaffären

Nach einem Beitrag über Vetternwirtschaft bei Syriza ging dann wohl doch der Journalist mit Plasberg durch. Er fragte Söder, ob er ein Kurzzeitgedächtnis habe, "die Verwandtenaffäre der CSU ist ja gerade gerichtlich aufgearbeitet". Immerhin.

Dann öffnete man tatsächlich noch die Mentalitätskiste. Ein deutsch-griechischer Regisseur, der nach Griechenland gezogen war, damit seine Kinder "mit deutschem Verstand und griechischem Herz" aufwachsen, gab den Politexperten: Die Wurzel der Krise liege doch im Jahr 1453, im Fall Konstantinopels. Da sahen sich die Revoluzzer Bierdel und Chondros kopfschüttelnd an und wischten die Luft vor ihrer Stirn weg wie einen irren Mückenschwarm.

Doch Revolte sieht ohnehin anders aus, wie man wenig später im Kulturmontag in ORF 2 im Werbespot, äh Beitrag, über eine Fast-Food-Kette erfuhr: Wenn man einen Burger isst und die Sauce aus dem Gesicht rinnen darf, verriet ein Marketingexperte. Das ist Aufstand genug. Viva la Revolución! (Colette M. Schmidt, 13.5.2015)

  • Neue Tiefpunkte trotz vermeintlicher Fairness im Sendungstitel
    foto: ap/reiss

    Neue Tiefpunkte trotz vermeintlicher Fairness im Sendungstitel

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