US-Geschäft und Euroschwäche beflügelten Deutsche Telekom

13. Mai 2015, 16:47
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Starkes Wachstum auch aus eigener Kraft - Operativer Gewinn zog im ersten Quartal kräftig an - Investitionen in Netze bleiben hoch

Die Deutsche Telekom eilt der Konkurrenz in Europa weiter davon. Dank der Erfolge seiner US-Tochter und des schwachen Euro wuchs Europas größter Telekomkonzern auch im ersten Quartal bei Umsatz und operativem Ergebnis stärker als seine Konkurrenten.

"Positive Vorzeichen bei Umsatz und Ergebnis haben wir in unserer Branche lange nicht gesehen. Unsere klare Strategie mit starken Investitionen zahlt sich aus", sagte Telekom-Chef Tim Höttges am Mittwoch in Bonn.

Wachstumsstory in USA

Derzeit freut man sich am Rhein trotz teilweise auftretender Verluste in den USA insbesondere über die üppige Wachstumsstory, die T-Mobile US dem lange darbenden Großkonzern beschert hat. Dazu zählen mehr Kunden, mehr Umsatz und ein höherer operativer Gewinn. Höttges lässt T-Mobile-US-Chef John Legere nach der erfolgreichen Kehrtwende der lange schwächelnden US-Mobilfunktochter trotz häufiger anfallender Verluste an der langen Leine - irgendwann werden am Ende auch die Gewinne sprudeln, hofft man in der Konzernzentrale. Denn trotz aller Wachstumsrekorde ist T-Mobile US für die Telekom oft noch ein Verlustgeschäft.

Eurokurs

Der günstige Euro war für den Großteil des Anstiegs beim Konzernumsatz von 13 Prozent auf 16,8 Mrd. Euro verantwortlich. Aber auch ohne Wechselkurse und Zukäufe stand im Jahresvergleich ein Wachstum von fast 5 Prozent zu Buche. Das operative Ergebnis wuchs aus eigener Kraft noch ein wenig stärker. Am Markt waren Anleger von den Zahlen überzeugt, für große Sprünge reichte es nach dem zuletzt starken Lauf allerdings nicht. Am frühen Nachmittag lagen die Papiere nach zwischenzeitlichen Kursgewinnen mit 0,51 Prozent im Minus bei 16,515 Euro.

Auch in Deutschland besser

Der Telekom gelangen auch in Deutschland bessere Geschäfte. In den ersten drei Monaten warb der Konzern mehr neue Vertragskunden im Mobilfunk als von Experten gedacht. Im Breitband stellte Höttges nach einem guten Start für das Jahr mehr als die bisher angepeilten 100.000 Neukunden in Aussicht. Die Mobilfunkserviceerlöse stiegen zudem stärker als beim deutschen Kundenprimus Telefonica Deutschland, im Festnetz gab es vergleichsweise wenige Kündigungen. Für Analystin Heike Pauls von der Commerzbank sind das im Heimatmarktstarke Ergebnisse. Die Dynamik der ersten Monate hält nach Worten von Höttges zudem in allen Märkten an.

Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie bereinigt um Sondereffekte wie Abfindungszahlungen und Kosten für den Konzernumbau stieg das Ergebnis (bereinigtes EBITDA) um 11 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro. An der Jahresprognose hält das Management fest - in ihr rechnet Finanzchef Thomas Dannenfeldt die Wechselkurseffekte heraus. Bei der Kassenlage sieht er die Chance auf mehr, auch wenn er noch nicht konkret werden wollte.

US-Boom

Für den Anstieg beim operativen Ergebnis war nahezu allein der weiter starke Aufschwung bei T-Mobile US verantwortlich. Dort stammte allerdings mehr als die Hälfte des Zuwachses in Höhe von 45 Prozent aus der günstigen Wechselkursentwicklung. In Deutschland musste die Telekom wegen unzufriedener Kunden bei der Umstellung auf die internetbasierte IP-Technik im Festnetz dagegen mehr Geld im Service ausgeben. Bei der IT-Geschäftskundentochter greifen Kostensenkungen: Bei höheren Umsätzen verdiente T-Systems vor Zinsen und Steuern diesmal wieder Geld.

Die gute Entwicklung im Tagesgeschäft gibt der Telekom vor der Ende Mai beginnenden Auktion von Mobilfunklizenzen Raum für Investitionen in die Netze. Insgesamt steckten die Bonner in Deutschland mit 950 Mio. Euro rund ein Drittel mehr in den Ausbau von schneller Mobilfunktechnik wie LTE und Breitbandversorgung. So kann der Konzern künftig mehr Kunden Angebote mit schnellem Internet und Videodiensten machen.

Beim Gewinn unter dem Strich machen sich die günstigen Wechselkurse weniger bemerkbar, da etwa die Kosten in den USA bei der Umrechnung ebenfalls mit dem starken Dollar wachsen. Der Konzerngewinn fiel mit 787 Mio. Euro nach 1,82 Mrd. Euro vor einem Jahr vor allem deswegen schmaler aus, weil damals ein milliardenschwerer Sonderertrag aus einem Anteilsverkauf den Überschuss in die Höhe getrieben hatte. (APA, 13.5.2015)

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