Vorerst letzte Aussage von Überlebender in Lüneburger NS-Prozess

13. Mai 2015, 14:47
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84-jährige Auschwitz-Überlebende richtete eindringlichen Appell gegen das Vergessen an die Menschheit

Lüneburg - Im Lüneburger Auschwitz-Prozess gegen den früheren SS-Buchhalter Oskar G. hat zum vorerst letzten Mal eine Holocaust-Überlebende vom Grauen im größten nationalsozialistischen Vernichtungslager berichtet. Die 84-jährige Susan Pollack aus London sprach am Mittwoch vor dem Landgericht der niedersächsischen Stadt über ihre Verschleppung nach Auschwitz und ihre Erlebnisse in diesem und anderen NS-Lagern.

"Wir wurden entmenschlicht, komplett entmenschlicht. Ich finde keine Worte, um es zu beschreiben", sagte sie. Die Erinnerung an den Holocaust müsse wachgehalten werden. "Wir dürfen es niemals vergessen."

G. ist angeklagt, als Mitglied der Verwaltung des Konzentrations- und Vernichtungslagerkomplexes von Auschwitz während des Zweiten Weltkriegs am Holocaust mitgewirkt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen 93-Jährigen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen vor, weil er im Frühsommer 1944 während der sogenannten Ungarn-Aktion das Geld getöteter jüdischer Opfer verbucht sowie bei einigen Gelegenheiten deren Gepäck bewacht haben soll. Zum Prozessauftakt vor rund drei Wochen hatte G. sich "moralisch mitschuldig" am Massenmord bekannt, eine strafrechtliche Schuld aber nicht eingeräumt.

Nebenkläger

Seither haben an mehreren Verhandlungstagen bereits Auschwitz-Überlebende als Zeugen ausgesagt. Sie nehmen als Nebenkläger an den Verfahren teil. Mit dem Auftritt von Pollack, die Auschwitz als Jugendliche überlebte und dort etwa 50 Angehörige verlor, endete dieser Teil der Beweisaufnahme. Später wird möglicherweise noch eine Nebenklägerin berichten. Ihre Aussage war wegen einer Prozessunterbrechung aufgrund einer Erkrankung des Angeklagten in der vergangenen Woche ausgefallen.

Der weiteren Planung des Gerichts zufolge wird der Prozess in der kommenden Woche unter anderem mit den Vernehmungen eines Rechtsmediziners und einer Toxikologin fortgesetzt. Dabei geht es um die Umstände der Ermordung in den Gaskammern von Auschwitz.

Die Verteidigung von G. kündigte am Mittwoch im Prozess weitere ergänzende Aussagen ihres Mandanten an. G. sei "grundsätzlich" dazu bereit. Er und seine Anwälte wollten die Angelegenheit aber zunächst "in Ruhe vorbesprechen". (APA, 13.5.2015)

  • Oskar Gröning, Angeklagter.
    foto: epa/axel heimken / pool

    Oskar Gröning, Angeklagter.

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