"Nix AMS": Post bleibt trotz Protesten bei Trennung von Mitarbeiter

14. Mai 2015, 09:44
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Ausländerfeindlicher Aushang war einziger Grund für Trennung, so die Post – sie bleibt bei ihrer Entscheidung

Ein Eintrag auf der Facebook-Seite der österreichischen Post hat zu Wochenbeginn für Wirbel gesorgt: Eine Nutzerin beschwerte sich über einen Aushang in einer Postfiliale, auf dem ein Mitarbeiter Informationen offenbar in "schlechtes Deutsch" übersetzt hatte. "Samstag keine Auszahlung = Samstag nix AMS", stand auf dem Zettel zu lesen. Das Bild stieß in sozialen Medien auf großes Interesse, zahlreiche Medien griffen die Geschichte auf. Wenige Stunden später gab die Post bekannt, sich von dem Mitarbeiter getrennt zu haben.

Trennung laut Post "absolut gerechtfertig"

"Der Aushang war der einzige Grund für die Trennung", bestätigt ein Sprecher der Post auf Anfrage des STANDARD. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses sei "absolut gerechtfertigt", die Aktion des einstigen Mitarbeiters "nicht im Sinne der Post". Allerdings formierte sich im Netz schon bald ein ähnlich massiver Widerstand gegen diese Entscheidung: So hält eine Facebook-Gruppe, die eine Rücknahme des Ex-Mitarbeiters fordert, mittlerweile bei fast 1.000 "Gefällt mir"-Angaben. Beiträge in dieser Gruppe sind allerdings zu einem überwiegenden Teil als rassistisch und ausländerfeindlich einzustufen.

Minenfeld

"Eine Rücknahme des Mitarbeiters steht nicht zur Debatte", so die Post in Hinblick auf die Protestgruppen. Das Unternehmen ist mit seinem Vorgehen in ein Minenfeld geraten, in dem es imagetechnisch nur wenig richtig machen kann. Auch in STANDARD-Foren wurde hitzig über den Vorfall debattiert. Viele Menschen sehen in der Formulierung "Nix AMS" keine ausländerfeindliche Diktion, sondern stellen dies als Hilfestellung dar. Allerdings belegen zahlreiche Studien, dass absichtlich schlechtes Deutsch zugezogenen Mitbürgern den Erwerb der Sprache nur erschwert. Abgesehen davon kann die Formulierung herablassend wirken.

Facebook als Katalysator

Fraglich ist, ob die Post ohne die Aufmerksamkeit auf Facebook ähnliche Schlüsse gezogen hätte. Der Buchautor Jon Ronson hat sich für ein Buchprojekt intensiv mit mehreren Fällen des sogenannten "Public Shaming", also öffentlichen Anprangerns beschäftigt. Spektakulär ist etwa der Fall der PR-Managerin Justine Saecco, die nach einem für viele geschmacklosen Witz über AIDS gekündigt und durchs digitale Dorf getrieben worden ist. Saecco benötigte mehrere Monate, um wieder auf die Beine zu kommen.

Mitarbeiter nicht geoutet

Bei einem Webentwickler, der einen sexuell angehauchten Witz auf einer Entwicklerkonferenz erzählte, passierte Ähnliches: Eine andere Besucherin namens Adria Richards dokumentierte den Fall, später wurden beide entlassen. Doch Kritiker warfen Buchautor Ronson vor, selbst einen Shitstorm gegen Richards losgetreten und ihren Fall unfair porträtiert zu haben. Auch daran sieht man, dass Fälle des "Public Shaming" oft auch Bruchlinien in der Gesellschaft offenlegen, sei es beim Thema Frauenfeindlichkeit oder Xenophobie. Im Unterschied zu den von Ronson genannten Fällen wurde der Mitarbeiter der Post allerdings nicht namentlich geoutet, sondern lediglich seine gedankenlose Handlung in den Vordergrund gestellt. (fsc, 14.5.2015)

  • Ein Facebook-Posting sorgt bei der Post für Wirbel
    foto: screenshot

    Ein Facebook-Posting sorgt bei der Post für Wirbel

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