Toiletten-Graffiti stützen Rollenbilder

13. Mai 2015, 13:19
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US-Forscher untersuchten soziologisch WC-Sprüche auf Frauen- und Männerklos

Boston – US-Wissenschafter haben jetzt Kritzeleien in öffentlichen Toiletten soziologisch analysiert. Ihre Resultate stützen gängige Vorurteile: Männer sind auf Sex fixiert, während Frauen von Beziehungen reden.

Was der Straßenbaum für Hunde, scheint die öffentliche Toilette für Menschen - zumindest für manche US-Studierende - zu sein: ein öffentlicher Kommunikationsraum, in dem sozialer Zusammenhalt praktiziert und Hierarchien abgesteckt werden. Dies zeigt eine Analyse der Graffiti in zehn Toiletten auf - je fünf Männer- und Frauentoiletten.

Während die männlichen Texte und Zeichnungen von sexuellen Akten und Genitalien strotzten, handelten die der Frauen von Liebe und Beziehungen ohne erotischen Kontext. Es gilt anzumerken, dass sich die Toiletten in einer US-Universität mit einem hohen Anteil an unterprivilegierten Studierenden befanden.

Frauen schreiben mehr

Frauen waren die fleißigeren Schreiberinnen und verfassten 70 Prozent der Graffiti. Ihre Botschaften teilten eher private Gedanken und Gefühle mit, nicht selten begleitet von unterstützenden Antworten anderer Schreiberinnen. Bei den Männern ging es indes grob, aggressiv und oft homophob zu, aber auch humorvoll.

"Die Texte oder Zeichnungen wurden zwar in einem privaten Raum und einem vermeintlich sehr privaten Moment geschaffen", ließ sich Autorin Pamela Leong von der Salem State University (US-Staat Massachusetts) in einer Mitteilung zitieren. "Doch sie sind für die Öffentlichkeit gedacht, um Ideen, Bilder und sogar Antworten zu übermitteln."

Vermittlung klassischer Rollenbilder

Für die Soziologin wird aber noch mehr vermittelt, nämlich klassische männliche und weibliche Rollenbilder. "Die Graffiti verstärken die heterosexuelle männliche Macht und die weibliche Unterordnung", erklärte sie. Dies würden sogar die bei den Frauen häufigen Anspielungen auf Darmaktivitäten stützen.

Offenbar gebe es ein Bedürfnis, diese als "unweiblich" oder "schmutzig" betrachteten Dinge im Privaten zu diskutieren, betonte Leong. "Sogar in einem anonymen Raum stützen Graffiti die Intoleranz alles Weiblichen und decken Machtbeziehungen auf." Die Studie wurde im US-Fachjournal "Gender, Place & Culture" veröffentlicht. (APA, 13.5.2015)

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    foto: michaela.anderle
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