Neue Kampagne will der "Diversity" ein Gesicht geben

Blog13. Mai 2015, 13:03
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"Vielfalt, ja bitte" soll im Song-Contest-Jahr öffentlichkeitswirksam ein Zeichen für Toleranz setzen

Die Kampagne "Vielfalt, ja bitte – Welcome Diversity" will in Wien ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen. Wie kann man die Kampagne unterstützen? Und wie ist es um die Toleranz in Österreich bestellt? Ein Gespräch mit den Initiatoren.

Sie haben am 1. April die Kampagne "Vielfalt, ja bitte - Welcome Diversity" gestartet. Welche Idee steckt dahinter?

Gerhard Moßhammer: Die Idee zur Kampagne ging einher mit dem Gewinn des Eurovision Song Contests 2014 durch Conchita Wurst. Conchita Wurst hat erfolgreich bewiesen, dass Aussehen, Geschlecht und Herkunft völlig wurst sind, wenn es um die Würde und Freiheit des Einzelnen geht. Diese Botschaft greift das Interkulturelle Zentrum gemeinsam mit seinen Kooperationspartnerinnen und -partnern im Rahmen der Kampagne auf. Rund um die Übertragung des Song Contests möchten wir in Wien öffentlichkeitswirksam ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Gleichbehandlung setzen.

"Diversity" ist in den vergangenen Jahren zum Modewort mutiert und wird meist im Kontext von kultureller und sprachlicher Vielfalt verwendet. Was genau meinen Sie, wenn Sie von "Diversity" sprechen?

Alice Scridon: Mit dem Begriff "Diversity" möchten wir die Vielfältigkeit jeder und jedes Einzelnen in den Mittelpunkt rücken: Jede Person ist einzigartig und hat das Recht auf Gleichbehandlung. Unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierungen und Beeinträchtigungen. Ziel unserer Kampagne ist aufzuzeigen, dass jede und jeder von uns "vielfältig" ist. Und dass darin ein großes Potenzial steckt.

Ein zentraler Bestandteil ihrer Kampagne ist die Fotoaktion "Gib Vielfalt (d)ein Gesicht". Wie kann man mitmachen?

Scridon: Mit der Fotoaktion "Gib Vielfalt (d)ein Gesicht" laden wir Menschen dazu ein, uns ihre Botschaft für einen positiven und wertschätzenden Umgang mit Vielfalt zu schicken. Das Mitmachen geht ganz einfach: Auf der Website kann man ein Vorlagenblatt im "Welcome Diversity"-Design herunterladen, auf dem man seine persönliche Botschaft für Vielfalt beziehungsweise gegen Ausgrenzung und Rassismus schriftlich festhält. Dann fotografiert man sich mit seinem Statement und schickt uns das Foto, wir veröffentlichen den Beitrag auf der Kampagnenseite. Wir freuen uns über viele Menschen, die sich beteiligen und mit ihrem Fotostatement aktiv ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und Gleichbehandlung setzen.

Seit Conchita Wursts Song-Contest-Sieg wird in der Öffentlichkeit gerne das Bild eines offenen, toleranten Österreich gezeichnet. Wie sehen Sie das?

Moßhammer: Ich glaube, dass sich die Österreicher und Österreicherinnen selbst als sehr offen und tolerant einschätzen. Tatsächlich hat sich die Gesellschaft in den letzten zwei Jahrzehnten vielen Themen geöffnet, die früher tabu waren. In vielen Bereichen ist die Gesellschaft aufgeschlossener als die Politik. In manchen hat die Politik dann auch nachgezogen. In anderen, wie beispielsweise in der Asylpolitik, nicht. Dass wir uns täglich mit Ausgrenzung, Diskriminierung, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus konfrontiert sehen und dagegen arbeiten müssen, ist eine bittere Tatsache.

Sie wollen mit der Kampagne ein breit sichtbares Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen. Wie lange wird es derartige Aktionen noch brauchen?

Moßhammer: Die perfekte Gesellschaft wird es nie geben. Es werden sich vielleicht die Gruppen verändern, die man vor Diskriminierung schützen muss. Deswegen wird man immer eine starke Zivilgesellschaft brauchen, die Diskriminierung und Benachteiligung sichtbar macht und sich für eine gerechtere und tolerantere Gesellschaft einsetzt! (Meri Disoski, 13.5.2015)

  • Initiatoren der Kampagne "Vielfalt, ja bitte – Welcome Diversity".

    Initiatoren der Kampagne "Vielfalt, ja bitte – Welcome Diversity".

  • Prominente Unterstützung der Kampagne durch Barbara Stöckl.
    foto: welcome diversity

    Prominente Unterstützung der Kampagne durch Barbara Stöckl.

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