Für die Spezialdiät der Koalas braucht es keine ungewöhnliche Darmflora

18. Mai 2015, 06:00
1 Posting

Trotz einseitiger Ernährung unterscheiden sich die Mikrobiome der Beuteltiere kaum von jenen anderer Säuger

Koalas folgen einem reichlich einseitigen Diätplan: Die australischen Beuteltiere ernähren sich fast ausschließlich von Eukalyptusblättern. Man nimmt daher naheliegenderweise an, dass auch ihre Darmflora, die ihnen bei der Verdauung ihrer Nahrung hilft, eine ganz spezielle Zusammensetzung hat. Internationale Wissenschafter sind dieser Frage nun nachgegangen und haben bei der Analyse der Zusammensetzung von Bakteriengemeinschaften in verschiedenen Verdauungsorganen der Koalas eine Überraschung erlebt.

Der Koala (Phascolarctos cinereus) ist ein baumbewohnendes Beuteltier, das sich auf einzigartige Weise ernährt: die Tiere leben fast ausschließlich von Eukalyptusblättern. Das Blattwerk des Eukalyptusbaumes gilt eigentlich als sehr ungünstige Nahrung, da es nicht nur nährstoffarm ist, sondern auch viele Verbindungen enthält, die für die meisten Tiere giftig sind. Es wird angenommen, dass Bakterien eine wichtige Rolle bei der Verdauung von Eukalyptusblättern spielen. Dennoch ist nicht bekannt, ob eine so exklusive Ernährungsweise die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaften, oder Mikrobiome, bei Koalas beeinflusst.

Ein internationales Team von Wissenschaftern unter Beteiligung des Tiergarten Schönbrunn in Wien haben das Koala-Mikrobiom mittels DNA-Sequenzierung charakterisiert. Die Forscher fanden zu ihrer Verblüffung heraus, dass sich das orale sowie das Darmmikrobiom von Koalas ähnlich zusammensetzen wie die Mikrobiome der gleichen Körperregionen anderer Säugetierarten. Folglich scheint die einzigartige Ernährungsweise der Koalas die Mikrobengemeinschaften in den Verdauungsorganen nicht zu beeinflussen.

Kotproben nicht immer verlässlich

Außerdem wurden Rektalabstriche und Kotproben zum ersten Mal mittels Hochdurchsatzsequenzierung verglichen, um zu prüfen, ob diese Probentypen das Koala-Darmmikrobiom gleichwertig beschreiben. Rektalabstriche enthielten die gesamte Vielfalt der auch in Kotproben enthaltenen Bakterien und noch zusätzliche Gattungen bzw. Arten. Dies deutet darauf hin, dass Bakteriengemeinschaften im Kot lediglich einen Bruchteil der komplexen darmbewohnenden Mikrobengemeinschaften repräsentieren.

Auch das Mikrobiom der Koala-Augen wurde untersucht, da Koalas häufig unter Augenkrankheiten leiden, die durch Chlamydieninfektionen verursacht werden. Die Ergebnisse zeigten eine sehr vielfältige Mikrobengemeinschaft, ähnlich den Augenmikrobiomen anderer Säugetierarten. Dabei traten jedoch Bakterien einer bestimmten Familie, die bei anderen Säugetieren nicht beobachtet wurde, in ungewöhnlich hoher Zahl auf. Um festzustellen, ob dies die Anfälligkeit von Koalas für Chlamydieninfektionen bedingt, sind weitere Untersuchungen notwendig. (red, 18.5.2015)

  • Tagein, tagaus fressen Koalas immer nur Eukalyptusblätter. Nicht nur, dass diese Diät ziemlich nährstoffarm ist, sie enthält auch einige für andere Tiere giftige Substanzen. Dennoch sieht die Darmflora der Beuteltiere recht gewöhlich aus.
    foto: barbara feldmann, izw

    Tagein, tagaus fressen Koalas immer nur Eukalyptusblätter. Nicht nur, dass diese Diät ziemlich nährstoffarm ist, sie enthält auch einige für andere Tiere giftige Substanzen. Dennoch sieht die Darmflora der Beuteltiere recht gewöhlich aus.

Share if you care.