Wo Kinder glücklich sind

14. Mai 2015, 09:00
23 Postings

Die "Children's Worlds"-Studie fragte Kinder, was sie von ihrem Leben halten. Die meisten sind mit ihrem Leben zufrieden

Frankfurt, London, Zürich – Mehr als 50.000 Kinder in 15 Ländern schildern ihre Erfahrungen, Perspektiven und ihr Wohlbefinden: Die "Children's Worlds"-Studie, in der Acht- bis Zwölfjährige in so unterschiedlichen Staaten wie Nepal und Norwegen, Äthiopien und Israel oder Deutschland und Südkorea direkt befragt wurden, ist bisher einzigartig. Der Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, bringt wichtige Erkenntnisse, die zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern auf der ganzen Welt genutzt werden können.

Kinder erleben große Unterschiede. In europäischen Ländern sind sie zufriedener mit ihren Freundschaften, während Kinder aus afrikanischen Ländern tendenziell glücklicher mit ihrem Schulleben sind. Kinder in nordeuropäischen Ländern hingegen sind insbesondere unzufrieden mit ihrem Aussehen und ihrem Selbstbewusstsein. Die Mehrheit der 53.000 befragten Kinder in allen 15 Ländern (Algerien, Äthiopien, Deutschland, England, Estland, Israel, Kolumbien, Nepal, Norwegen, Polen, Rumänien, Südafrika, Südkorea, Spanien und Türkei) bewerten ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zehn in der Gesamtheit als positiv.

Die Studie gibt auch Auskunft über grundlegende Aspekte wie Familie, Freundschaften, Geld und Besitz, Schulleben, Wohnumgebung, Freizeit und Zeitnutzung, persönliches Wohlbefinden und Kinderrechte. Für die deutschen Ergebnisse hebt Studienleiterin Sabine Andresen von der Goethe-Universität Frankfurt hervor: "Kinder in Deutschland sind im hohen Maße mit ihren Freundinnen und Freunden zufrieden. Mit Blick auf die Erwachsenen ist ihnen wichtig, dass sie ernst genommen und einbezogen werden." Generell sinke das Wohlbefinden bei den Zwölfjährigen, vor allem Mädchen seien weniger mit ihrem Aussehen zufrieden.

Alters- und Geschlechterunterschiede

Das Geschlecht beeinflusste zwar nicht die Gesamtzufriedenheit, es wurden aber signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, Aussehen und Selbstbewusstsein in Europa und Südkorea aufgedeckt, die so in weiteren asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Ländern nicht vorherrschen.

Auch bei den Wohn- und Familienformen gibt es große Unterschiede: Während mehr als die Hälfte der Kinder in Nepal (61 Prozent) in einem Haushalt, der aus mindestens einem Elternteil und einem Großelternteil besteht, wohnen, berichten in England, Norwegen und Israel weniger als zehn Prozent von einem Drei-Generationen-Haushalt. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Kinder einiger europäischer Länder zwei Wohnsitze als ihr Zuhause bezeichnen. Das trifft auf über zehn Prozent der Kinder in Norwegen, England und Estland zu – solch ein Familienmodell ist nur selten in anderen Ländern dieser Studie aufzufinden.

Kinderrechte

Große Differenzen zeigten sich bei dem Wissen über Kinderrechte und bei deren Umsetzung. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Kinder in Norwegen äußerten, dass sie die Rechte von Kindern kennen, was in Großbritannien nur 36 Prozent von sich behaupteten.

Asher Ben-Arieh, einer der Untersuchungsleiter und der Vorsitzende der International Society of Children's Indicators, bemerkt: "Die Studie füllt eine Lücke der internationalen Forschung. Unsere Arbeit beweist, dass es möglich und wertvoll ist, Kinder zu fragen, was sie von ihrem Leben halten. Der Bericht beinhaltet wichtige Botschaften für Entscheidungsträger, Praktiker, Eltern und all diejenigen, die sich mit der Verbesserung der Lebensqualität von Kindern beschäftigen."

Das ist der erste Bericht der gegenwärtigen Befragungswelle. Innerhalb dieser Welle nehmen noch weitere fünf Länder an der Studie teil. Im Laufe des Jahres werden weitere Berichte, einschließlich Befunde für achtjährige Kinder, veröffentlicht. (red, 13.5.2015)

  • 77 Prozent der Kinder in Norwegen wissen, dass sie Rechte haben.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    77 Prozent der Kinder in Norwegen wissen, dass sie Rechte haben.

Share if you care.