Ständig mieses Bauchgefühl

13. Mai 2015, 12:02
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Schulärzte wollen Jugendliche über Darmerkrankungen aufklären - Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa nehmen zu

Bauchschmerzen und Durchfall sind die gängigsten Symptome von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Meist tritt die Krankheit erstmals zwischen dem 15. und 30 Lebensjahr auf. Und weil sie gerade bei Jugendlichen ein Tabuthema betrifft, startet die Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSÖ) nun ein Früherkennungs- und Aufklärungsprojekt an Österreichs Schulen.

40.000 Menschen sind in Österreich von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen betroffen. Die häufigsten Vertreter sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Was die Ursache ist

Beim Morbus Crohn kann die Entzündung den gesamten Verdauungstrakt befallen, bei Colitis ulcerosa ist ausschließlich der Dickdarm und die oberste Darmwandschicht entzündet. "Die Krankheiten verlaufen in Schüben - und jedes Mal wird man wieder unvermutet davon getroffen", erzählte Evelyn Groß, selbst Betroffene und Jugendbeauftragte der Österreichischen Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa-Vereinigung (ÖMCCV), aus eigener Erfahrung. Bei ihr wurde die Diagnose CED mit 17 Jahren gestellt.

"20 bis 25 Prozent der Patienten mit CED werden vor dem 20. Lebensjahr diagnostiziert. Der jüngste mir bekannte Betroffene war drei Wochen alt", sagte Wolf-Dietrich Huber, Facharzt für Pädiatrie am Wiener AKH. Und gerade weil die Krankheit oft schon bei Jugendlichen auftritt und weil es gerade unter Jugendlichen nicht üblich ist, über peinliche Themen wie die Verdauung zu sprechen, soll die Kampagne mit dem Titel "Mieses Bauchgefühl?" helfen.

Oft aufs Klo

"Wir wollen Krankheiten hervorheben, die in der Gesellschaft tabuisiert sind", berichtete GSÖ-Präsidentin Judith Glazer. Die Frage nach dem miesen Bauchgefühl richtet sich an betroffene Schüler, die sich mit ihren Symptomen allein fühlen und sich vor Reaktionen von Freunden oder Mitschülern fürchten.

Die Schulärzte sollen in solchen Fällen Ansprechpartner sein, um von der allgemeinen Beschwerde "Bauchschmerzen" schnell auf eine vielleicht vorhandene Darmerkrankung schließen zu können.

"Wenn Kinder und Jugendliche rasch behandelt werden, sind spätere Eingriffe wie zum Beispiel ein künstlicher Darmausgang in den meisten Fällen nicht nötig", erklärte Harald Vogelsang, Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie an der AKH-MedUni Wien.

Die Patienten sind außerdem nicht nur mit den Symptomen Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust konfrontiert, sondern auch mit Alltagsproblemen, die eine CED mit sich bringt. Es ist nicht so leicht, "wenn man 15 bis 20 Mal pro Tag die Toilette aufsuchen muss", berichtete Groß und sprach weiter über die "lebenslängliche Diagnose".

Hilfe mit Therapie

Auch wenn man die Symptome heutzutage gut in den Griff bekommen könne, sei sie bei der Lebensplanung zu berücksichtigen. Medikamente etwa könne man während der Schwangerschaft und der Stillperiode nicht einnehmen. Zudem beklagte die in der Selbsthilfe tätige Grazerin die Intoleranz der Menschen, die mit "Morbus Crohn" oder "Colitis ulcerosa" oft nicht viel anfangen könnten.

Groß wünscht sich deshalb mehr Toleranz von den Leuten, zum Beispiel "wenn auf der Toilette eine Schlange ist, und man wegen der Krankheit einfach nicht mehr warten kann". (APA, 13.5.2015)

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