Sehr soziale Ratten retten ertrinkende Artgenossen

14. Mai 2015, 12:30
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Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ratten Empathie zeigen und die Not von Artgenossen wahrnehmen

Heidelberg - Ratten haben keine gute Nachrede, doch die Tiere sind sehr sozial und besitzen wesentlich mehr Mitgefühl, als man gemeinhin annehmen würde. Droht eine Ratte zu ertrinken, helfen ihr die Artgenossen, so gut es ihnen möglich ist. Dies trifft vor allem auf jene Ratten zu, die bereits dem Tod nahe waren, schreiben japanische Forscher nach Tierexperimenten in der Fachzeitschrift "Animal Cognition".

Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass Ratten ihren Artgenossen dabei helfen, aus einem röhrenförmigen Käfig zu entkommen. Dieses prosoziale Verhalten zeigt das Tier, selbst wenn es davon keinerlei Nutzen hat. Um herauszufinden, ob diese Nagetiere auch dann helfen, wenn einer ihrer Artgenossen ertrinkt, führte das Team um Nobuya Sato von der Kwansei Gakuin Universität in Japan drei unterschiedliche Experimentreihen in einem Wasserbecken durch. Eine Ratte musste in dem Becken um ihr Leben schwimmen, während ein anderes Tier in einem angrenzenden Käfig gehalten wurde. Die durchnässte Ratte konnte nur dann in einen trockenen und sicheren Bereich des Käfigs gelangen, wenn die Ratte im benachbarten Käfig eine Türe öffnete.

Lebensgefahr lässt Artgenossen schnell handeln

Das Team um Sato fand heraus, dass die Ratten sehr schnell lernten die Tür zu öffnen, um ihrem gestressten und nassen Artgenossen zu helfen. Allerdings bemühten sich die Ratten nur dann, die Tür schnell zu öffnen, wenn die andere Ratte wirklich gestresst war und gerettet werden musste. Die Experimente zeigten auch, dass Ratten es nicht mögen, durchnässt zu sein. Tiere, die diese Erfahrung mit Wasser bereits gemacht haben, lernten viel schneller, wie sie Käfiggenossen retten konnten, im Gegensatz zu denjenigen, die diese Erfahrung noch nicht gemacht hatten.

Wurden die Ratten vor die Wahl zwischen einem Stück Schokolade und dem Retten eines Artgenossen gestellt, entschieden die Ratten in den meisten Fällen zu helfen, bevor sie sich die Belohnung holten. Laut Sato legen diese Ergebnisse nahe, dass für Ratten der relative Wert, einem Artgenossen zu helfen, größer ist, als der einer Belohnung durch Nahrung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Ratten Empathie zeigen. Diese Nagetiere können den emotionalen Zustand von Artgenossen wahrnehmen, wenn diese Not erleiden.

Empathische Ratten

"Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sich Ratten prosozial verhalten und das helfende Tiere wahrscheinlich durch Empathie ähnliche Gefühle gegenüber ihren notleidenden Artgenossen motiviert sind", sagt Sato. Der Wissenschafter ist davon überzeugt, dass Studien der Sozialität, beispielsweise die Untersuchung der Empathie bei Nagetieren, wichtig für das Verständnis der zugrundeliegenden neuronalen Basis prosozialen Verhaltens sowie evolutionärer Aspekte sind. (red, derStandard.at, 14.5.2015)

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