IMBA-Direktor Penninger bleibt in Wien

14. Mai 2015, 11:22
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Genetiker vertraut dem Standort, ließ er per SMS verlauten. Verhandlungen mit dem Max-Delbrück-Centrum in Berlin wurden nicht fortgesetzt

Wien – Den Segen von oben gab es schon am vergangenen Freitag: Bundespräsident Heinz Fischer meinte bei der feierlichen Sitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), er würde ihn gerne in Wien forschend sehen: Gemeint war Josef Penninger, Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA).

Der aus Oberösterreich stammende Genetiker hatte das Angebot erhalten, das Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin zu leiten – mit einem Etat von mehr als 80 Millionen Euro pro Jahr (Drittmittel durch Grants nicht dazugerechnet). Das IMBA erhält derzeit 15 Millionen Euro aus dem Budget seiner Trägerorganisation, der ÖAW, und lukriert noch einmal so viel aus Drittmitteln – Grants, die unter anderem vom Europäischen Forschungsrat (ERC) eingeworben werden.

Während der Verhandlungen, die Akademie-Präsident Anton Zeilinger führte, hatte Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) gemeinsam mit der Stadt Wien mehr als 20 Millionen Euro in den nächsten Jahren als zusätzliches Zuckerl für Penninger in Aussicht gestellt.

SMS verlesen

Mitterlehner verkündete nun am Mittwoch, am zweiten Tag des ÖVP-Bundesparteitags, während seiner Rede, er habe in der Nacht ein SMS von Penninger erhalten. Inhalt: "Ich bleibe da, ich vertraue auf diesen Standort." Inzwischen bestätigte auch die ÖAW Penningers Entscheidung. "Wir freuen uns sehr, dass sich Josef Penninger entschieden hat, weiterhin am IMBA tätig zu sein", sagte Zeilinger.

Mitterlehner meinte, sich über Penningers Entscheidung sehr gefreut zu haben. Zudem dankte er Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) ausdrücklich für seine Unterstützung in dieser Angelegenheit. In den sozialen Netzwerken wurde das als sehr ungewöhnlich bezeichnet: Ein ÖVP-Chef lobt am Parteitag einen SPÖ-Spitzenpolitiker. Häupl, der sich gerade im Wahlkampf befindet, kommentierte den Verbleib Penningers in seiner eigenen Aussendung mit: "Das ist ein wichtiges Signal für den Wissenschaftsstandort Wien."

Spekulationen über Gründe

Seither wird spekuliert, was Penninger, der 2014 den Wittgenstein-Preis gewann, neben der zusätzlichen Mittel bewogen haben könnte, das Angebot aus Berlin auszuschlagen. Der Genetiker gilt als leidenschaftlicher Wissenschafter , im Max-Delbrück-Centrum hätte er angeblich mehr als am IMBA reines Wissenschaftsmanagement betreiben müssen. Außerdem dürften seine Verhandlungen mit dem deutschen Forschungszentrum vorzeitig beendet worden sein, wie die Austria Presse Agentur (APA) schreibt. Die Findungskommission habe am Dienstag Abend entschieden, die Sondierungen mit Penninger nicht fortzusetzen, hieß es aus dem deutschen Forschungsministerium, wo die Kuratoriumsvorsitzende des Delbrück-Centrums, Bärbel Brumme-Bothe, sitzt. Dort hieß es demnach "Die Findungskommission hat auf der Basis der Ergebnisse der Gespräche mit Prof. Penninger, die die Vorsitzende des MDC-Kuratoriums im Auftrag der Findungskommission geführt hat, in einer Telefonkonferenz am gestrigen Abend entschieden, die Sondierungen nicht fortzusetzen." Brumme-Bothe war am Mittwoch für den STANDARD nicht erreichbar.

Dem Vernehmen nach will Mitterlehner die zusätzlichen Mittel für Penninger aus der österreichischen Nationalstiftung bezahlen. (pi, red, 13.5.2015)

  • Josef Penninger auf dem Wiener Ball der Wissenschaft im Jänner. Es dürfte nicht sein letzter gewesen sein.
    foto: apa/georg hochmuth

    Josef Penninger auf dem Wiener Ball der Wissenschaft im Jänner. Es dürfte nicht sein letzter gewesen sein.

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