Pakistan: Mehr als 40 Tote bei Anschlag auf Bus

13. Mai 2015, 22:59
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IS-Miliz bekennt sich zu Angriff auf Bus in Karachi

Karachi - Bei einem Anschlag auf Schiiten sind in Pakistan mindestens 43 Menschen getötet worden. Sechs mit Pistolen bewaffnete Männer drangen am Mittwoch in der südlichen Hafenstadt Karachi in den Bus der Schiiten ein und erschossen mindestens 43 Insassen, wie die Polizei mitteilte. 13 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Angriff.

Attentäter auf Motorrädern hätten den Bus gestoppt und zunächst von außen geschossen, bevor sie im Innern des Busses "wahllos" auf die Insassen gefeuert hätten, sagte der Polizeichef der Provinz Sindh, Ghulam Haider Jamali, am Tatort. Der Bus hatte nach Polizeiangaben Plätze für 52 Passagiere, sei aber mit deutlich mehr Insassen unterwegs gewesen. Die meisten Opfer waren Ismailiten, einer Untergruppe der Schiiten, die von radikalen Sunniten als Ungläubige betrachten werden.

Auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter bekannte sich die IS-Miliz zu dem Angriff. Die Polizei fand am Tatort auch Flugblätter des IS. Die Extremistengruppe, die im vergangenen Sommer weite Gebiete im Irak und Syrien in ihre Gewalt gebracht hatte, hatte im Jänner die Gründung eines Ablegers namens "Khorazan-Provinz" gegründet, der in Afghanistan, Pakistan und angrenzenden Gebieten aktiv sein soll. Wie weit der IS dort tatsächlich über Anhänger verfügt, ist unklar.

Es ist das erste Mal, dass sich der IS in Pakistan zu einem Anschlag bekennt. Ein Sprecher der sunnitischen Extremistengruppe Jundullah bekannte sich am Mittwoch ebenfalls zu dem Angriff auf den Bus. Die Gruppe soll Verbindungen zur IS-Miliz haben. Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif verurteilte die Morde und reiste nach Karachi, um mit hochrangigen Vertretern der Sicherheitskräfte an einer Krisensitzung teilzunehmen.

Armeechef General Raheel Sharif versicherte dem spirituellen Oberhaupt der Ismailiten, Prinz Karim Aga Khan, in einem Telefonat, es würden keine Mühen gescheut, um die Verantwortlichen zur Strecken zu bringen. Der Aga Khan verurteilte den "sinnlosen Akt der Gewalt gegen eine friedliche Gemeinde". Er ist ein reicher Geschäftsmann und angesehener Philantroph, der sich in vielen Ländern der islamischen Welt für den Erhalt des kulturellen Erbes einsetzt.

Die Toten und Verletzten des Anschlags wurden in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Das pakistanische Fernsehen zeigte Bilder von Blutlachen in dem Bus und verzweifelte Angehörige, die in das Krankenhaus eilten, um Gewissheit über das Schicksal der Opfer zu erhalten.

Etwa 20 Prozent der rund 200 Millionen Muslime in Pakistan sind Schiiten, wovon einer kleiner Teil Ismailiten sind. Schiiten waren in Pakistan in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Anschlägen. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden rund tausend Schiiten ermordet. Meist bekannte sich die sunnitische Extremistengruppe Lashkar-e-Jhangvi zu den Taten. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte am Mittwoch den Angriff in Karachi aufs Schärfste und rief die Regierung auf, ihre religiösen Minderheiten besser zu schützen. (APA, 13.5.2015)

  • Massaker im Bus: Terroranschlag in Karachi.
    foto: epa/rehan khan

    Massaker im Bus: Terroranschlag in Karachi.

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