Frankreichs Präsident Hollande spielt Kuba-Pionier

12. Mai 2015, 17:36
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Als erster westlicher Staatschef seit 2003 besuchte Hollande Kuba – Paris will der Aufhebung des US-Embargos zuvorkommen

Havanna/Paris - Von den Zigarren bis zum Rum, von Hemingway bis Che Guevara: Kein Klischee blieb bei François Hollandes Kuba-Visite unbemüht. Große, gar lyrische Töne begleiten den ersten Besuch eines westlichen Staatschefs seit der Verhaftungswelle von 2003, die zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Havanna und der EU geführt hatte.

Mit Frankreich und Kuba träfen "zwei Länder mit revolutionärer Seele" aufeinander, sinnierte etwa Außenhandelsminister Matthias Fekl, während die Pariser Zeitung "Libération" in der Karibikinsel ein Bollwerk gegen den "amerikanischen Goliath" sieht - und Hollande in ironischer Che-Guevara-Pose verewigte.

Sozialist Hollande ist zwar jeder revolutionären Romantik abhold, inszenierte sein "historisches" Treffen mit Fidel Castro aber bewusster als sein Dinner mit dessen Bruder, Präsident Raúl Castro.

Menschenrechte kein Thema

2003 hatte der damalige Sozialistenchef Kuba wegen der Repression noch als "Albtraum" für alle Demokraten bezeichnet. Am Montag verlor er während der eintägigen Visite kein offizielles Wort zum Thema Menschenrechte und traf keine Dissidenten; einzig dem Kardinal Jaime Ortega, dem Oberhaupt der katholischen Kirche Kubas, verlieh er für seine Vermittlung zwischen Regime und Opposition den Orden der Ehrenlegion.

Der in Paris wohnhafte Dissident Jacobo Machover nannte Hollandes Besuch "deplatziert" und kritisierte, dass Paris innerhalb der EU seit 2003 für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen eintritt. Hollande erwiderte nur indirekt und kurz angebunden, sein Land wolle "die Entwicklung Kubas begleiten".

Sein Treffen mit Raúl Castro stand ganz im Zeichen der "Wirtschaftsdiplomatie", wie "Le Monde" mit einem kritischen Unterton sagte. Frankreich ist Kubas zehnter Handelspartner und vierter Investor hinter Ländern wie Kanada oder China. Innerhalb der EU haben Spanien und Italien engere Handelsverflechtungen mit Havanna. Paris setzte sich hingegen in den letzten Jahren am stärksten für engere Handelsbeziehungen Brüssels mit Kuba ein.

Entsprechend wirtschaftslastig war die Delegation des französischen Präsidenten mit sieben Ministern vor allem ökonomischer Prägung sowie dutzenden Unternehmern. Darunter waren Vertreter der größten Landeskonzerne wie Total (Energie), SNCF (Eisenbahn), Air France (Luftverkehr), Orange (Telekom) oder der weltweit drittgrößten Seehandelsgruppe CGA-CGM. Diese Präsenz sei auf die Nachfrage der Inselwirtschaft abgestimmt, meinte der Präsident der Freundschaftsgruppe Kuba/Frankreich, André Chassaigne: Kuba brauche Investitionen in die Infrastruktur, die Industrie, aber auch den Tourismus.

Streit um Marktanteile

"Wir warten auf das Ende des Embargos", erklärte Jérôme Cottin-Bizonne, Chef der kubanischen Rummarke Havana Club. Die Nummer drei der Branche, die als Einzige noch wirklich in Kuba produziert, gehört zur Hälfte Kuba, zur Hälfte dem französischen Spirituosen- und Getränkekonzern Pernod Ricard. Sie steht stellvertretend für das bereits einsetzende Gerangel um Marktanteile in Kuba. Marktleader Bacardi, dessen Geschäftssitz auf den Bermudas liegt, liefert den Franzosen mithilfe des US-Embargos seit Jahren einen eigentlichen Handelskrieg, um Havana Club vom US-Markt fernzuhalten.

Dagegen versucht Pernod Ricard, die Marke Havanista zu lancieren, die dem Inhalt und der Flasche nach Havana Club entspricht, aber nicht unter das Embargo fallen soll. Cottin-Bizonne sagte, er habe keine Ahnung, wann das US-Embargo gegen Kuba fallen werde. Aber sein Unternehmen stehe bereit. (Stefan Brändle, 12.5.2015)

  • Sichtlich stolz auf seinen diplomatischen Pionierakt: Frankreichs Präsident François Hollande mit Fidel Castro beim Zusammentreffen "zweier Länder mit revolutionärer Seele".
    foto: imago/xinhua

    Sichtlich stolz auf seinen diplomatischen Pionierakt: Frankreichs Präsident François Hollande mit Fidel Castro beim Zusammentreffen "zweier Länder mit revolutionärer Seele".

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