Wie gehen Sie bei der Erziehung mit Rollenbildern um?

13. Mai 2015, 05:30
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Das Thema "Stereotype" ist eines, dem man allgemein bei der Erziehung einfach nicht entkommen kann. Wie gehen Sie damit um?

Haben Sie sich auch hin und wieder die Frage gestellt, ob Sie unbewusst die Geschlechterstereotype bei Ihren Kindern verstärken? So ziehen die meisten ihren Babybuben nur in sehr seltenen Fällen Prinzessin-Lillifee-Strampler an, während man Mädchen meistens nicht den blauen Superman-Body überstreift.

Die Pinkifizierung der Spielzeugecke

Besonders sichtbar wird die Klischeebildung, wenn man Kindern ein Geschenk machen will. Strikt getrennt in liebliche rosa- und lilafarbene und kräftige dunklere und buntere Geschenkwelten sind die Spielzeugeschäfte eingeteilt. Wenn man einige Zeit dort verbringt, könnte man annehmen, dass sich Mädchen tatsächlich ausschließlich für Puppen, Miniatur-Ponyhöfe und Plastilin-Cupcakebäckereien begeistern, während Buben eher das Abenteuer bevorzugen: Piratenschiffe, Autos und Traktoren, das Star-Trek-Modell zum Selberbauen ...

Genau diesen Umstand bemängelt die "Pink Stinks"-Bewegung. Deren Ansicht nach schade diese fortschreitende "Pinkifizierung" bis dato auch geschlechtsneutraler Spielsachen wie Duplo und Lego nicht nur Mädchen, sondern auch Buben. Denn wo steht geschrieben, dass Buben nicht auch gern mit Puppen spielen würden oder Mädchen mit einem Baukasten? Sind derlei Unterschiede anerzogen oder angeboren?

Hier scheiden sich die Geister. Der Neurologe Simon Baron-Cohen führt den Testosteronspiegel im Mutterleib als Grund für angeborene, geschlechtsspezifische Prägungen an. Diesen Ergebnissen stehen Kritiker wie die Psychologin Cordelia Fine gegenüber, die diese Schlussfolgerungen dieser Art als "Neurosexismus und Neurononsens" bezeichnen.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz!

Sind diese Zuschreibungen in der Erziehung Ihrer Kinder tabu, oder betrachten Sie diese als Beschreibungen natürlicher Rollenunterschiede? Achten Sie beim Spielzeugkauf auf "neutrale" Geschenke, oder fördern Sie die "natürlichen" Anlagen Ihrer Kinder? Welche Geschichten erleben Sie im Alltag? Was beobachten Sie in Ihrem Freundeskreis? Und wie war es in Ihrer eigenen Kindheit? (aan, 13.05.2015, derStandard.at)

  • Ein Bub spielt mit Puppen – warum auch nicht?
    foto: heribert corn , corn@corn.at

    Ein Bub spielt mit Puppen – warum auch nicht?

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