Neuidentifizierter Cousin des Velociraptors hatte eine teuflisch gute Nase

14. Mai 2015, 20:34
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Saurornitholestes sullivani lebte vor 75 Millionen Jahren im westlichen Stück des geteilten Nordamerika

Philadelphia - US-Forscher haben eine bislang unbekannte Spezies von Raubdinosauriern identifiziert, die zur Gruppe der Eudromaeosauria gehört - also jener, zu der auch der Velociraptor zählt. Vom Körperbau sah er seinem bekannten Vetter sehr ähnlich und hatte mit 1,8 Metern Länge inklusive Schwanz auch eine vergleichbare Größe.

Jäger mit guter Witterung

Forscher um Steven Jasinski von der University of Pennsylvania gaben der Spezies, die vor etwa 75 Millionen Jahre lebte, die Bezeichnung Saurornitholestes sullivani. Sie hatten das Fossil - ein Fragment des Schädels - nicht selbst ausgegraben, sondern ein bereits 1999 in New Mexico entdecktes Exemplar näher untersucht und aus ihrer Analyse geschlossen, dass es fälschlicherweise einer bereits bekannten Spezies (Saurornitholestes langstoni) zugeschrieben worden war. Tatsächlich müsse es aber einer bislang unbekannten Art zugerechnet werden.

Jasinski verglich den Schädel nämlich mit anderen Fossilien von Saurornitholestes langstoni und fand einige Abweichungen. Vor allem ist die Oberfläche des Schädelteils, unter dem der Riechkolben des Gehirns lag, vergleichsweise groß. Daraus schließt der Forscher, dass Saurornitholestes sullivani einen sehr stark ausgebildeten Geruchssinn hatte: stärker als etwa der von Velociraptor oder einer noch näher verwandten Spezies mit dem schönen Namen Bambiraptor. Diese gute Nase hätte den kleinen Dino zu einem "furchterregenden Jäger" gemacht, so Jasinski.

Die Welt von Saurornitholestes sullivani

Damals, in der späten Kreidezeit, war Nordamerika durch ein großes Binnenmeer in eine westliche und eine östliche Hälfte getrennt. Saurornitholestes sullivani lebte im westlichen Teil Laramidia zusammen mit einer Reihe naher Verwandter - allerdings wurde bislang keine davon so weit südlich nachgewiesen wie er.

Dafür teilte er seinen unmittelbaren Lebensraum nicht nur mit zahlreichen Spezies pflanzenfressender Dinosaurier, von Hadrosauriern bis zu Ankylosauriern. Und mit deutlich größeren Fleischfressern wie den T-Rex-Verwandten Bistahieversor sealeyi und Daspletosaurus.

Unter solchen Riesen dürfte Saurornitholestes sullivani seine ökologische Nische gefunden haben, indem er auf seinen gut entwickelten Geruchssinn und auf einen Körperbau, der ihm hohe Agilität verlieh, setzte. Er könnte in Rudeln gejagt haben, vermutet Jasinski und fügt hinzu: "Obwohl nicht groß, war er kein Dinosaurier, mit dem man sich hätte anlegen wollen." (red, 14.5. 2015)

  • Kreidezeitliche Jagdszene: Zwei Saurornitholestes sullivani bedrängen einen jungen Hadrosaurier der Spezies Parasaurolophus tubicen.
    illustration: mary p. wiliams

    Kreidezeitliche Jagdszene: Zwei Saurornitholestes sullivani bedrängen einen jungen Hadrosaurier der Spezies Parasaurolophus tubicen.

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