Der Skistar, der Verband, der Konflikt

12. Mai 2015, 14:12
661 Postings

Eine E-Mail von Olympiasiegerin Anna Fenninger an den ÖSV sorgt für Aufregung. Die Salzburgerin will sich nicht von ihrem Manager trennen und einen Konditionstrainer nur für sich, drohte gar mit Rücktritt. Der Verband reagierte zurückhaltend bis gar nicht

Wien - In Vail war alles noch so schön. Und auch in Meribel. Anna Fenninger, neben Marcel Hirscher das österreichische Ski-Aushängeschild, holte bei der WM zweimal Gold, einmal Silber. Beim Weltcup-Finale gewann die Salzburgerin zum zweiten Mal in Folge die große Kristallkugel. Fenninger war glücklich. Der Skiverband (ÖSV) war glücklich. Die Erfolge überstrahlten auch damals schon vorhandene Differenzen. Diese haben im Wesentlichen mit Klaus Kärcher, Fenningers deutschem Manager, zu tun.

Jetzt dürfte das Fass übergelaufen sein, zumindest aus Fenningers Sicht. Am Montagabend gelangte eine Mail der 25-Jährigen via Sportwoche an die Öffentlichkeit, das an acht Personen im ÖSV, darunter Präsident Peter Schröcksnadel und Sportdirektor Hans Pum gerichtet war. Darin stellte Fenninger klar, dass sie sich keinesfalls von Kärcher trennen werde. "Ich empfinde das Verlangen nach einer Trennung als hochgradig unangemessen." Fenninger stellte sogar ihren Rücktritt vom ÖSV in den Raum.

Der Skiverband teilte am Dienstag in einer Aussendung mit, er habe Fenninger nicht aufgefordert, sich von Kärcher zu trennen. "Im Gegenteil: Der ÖSV hat sogar eine Zusammenarbeit im Rahmen der Reglements und unter Berücksichtigung bestehender Vereinbarungen angeboten." Fenningers Management sei diesem Angebot aber nicht nachgekommen.

Allgemeine Gesprächsbereitschaft

Der ÖSV merkt an, dass Fenningers Schreiben über eine deutsche Mail-Adresse an die Presse gelangt sei. Kärcher, der über eine deutsche Mail-Adresse verfügt, sagt dem STANDARD: "Wir wollten keine Öffentlichkeit. Das war ein internes Mail." Er sei immer gesprächsbereit, sagte er noch. Und Fenninger sei eine mündige Athletin. ÖSV-Chef Schröcksnadel war für den STANDARD am Dienstag zwar telefonisch erreichbar, sagte aber bloß: "Ich will keine Stellungnahme abgeben. Ich schaue mir an, was da rauskommt. Der Pum Hans", sagte Schröcksnadel noch, "hat lange mit ihr geredet." der STANDARD konnte den Pum Hans, ÖSV-Sportdirektor, am Dienstagnachmittag telefonisch nicht erreichen.

Die noch ungeklärte Kopfsponsorfrage könnte die Lage zur Eskalation gebracht haben. Seit Monaten wird Mercedes als Nachfolger für Raiffeisen gehandelt. Der Autobauer wäre aber wegen einer Konkurrenzklausel nicht mit dem ÖSV vereinbar, weil Audi einer der wichtigsten Partner des Alpinteams ist. Fenninger, die derzeit im Trainingslager auf Zypern weilt, fordert in ihrem Schreiben auch, dass Konditionstrainer Peter Meliessnig für sie allein abgestellt werden solle. "Ich fordere Euch daher auf, in den nächsten drei Tagen eine klare Aussage zu machen, ob und wie Peter vom Verband für mich eingesetzt wird."

Der ÖSV schrieb: "Erweiterte Individualbetreuung obliegt der Beurteilung der sportlichen Leitung, kann aber nicht zulasten des gesamten Teams gehen." Und weiter: "Aufwendungen, welche die Möglichkeiten des Verbandes übersteigen, sind grundsätzlich vom jeweiligen Aktiven, in diesem Fall also von Anna Fenninger oder ihrem Management, zu finanzieren." Zudem habe Fenninger bereits in den vergangenen Jahren über Individualtrainer verfügt.

Auch Marcel Hirscher, quasi Fenningers männliches Pendant, verfügt in Michael Pircher über einen eigens für ihn abgestellten Trainer sowie in Stefan Illek über einen eigenen Medienbetreuer. Beide werden vom Skiverband bezahlt. (rie, fri, APA, 12.5.2015)

Reaktionen:

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum gab sich gegenüber ORF-Sport insofern "sehr enttäuscht", weil er erst kürzlich ein langes Gespräch mit Fenninger geführt hatte. Er habe großen Respekt vor ihrer Leistung, aber dieses Schreiben sei kontraproduktiv, sagte Pum sinngemäß. Außerdem betonte er: "Niemand verlangt, dass sich Anna von ihrem Manager trennt."

Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum zeigte sich ebenfalls enttäuscht und vor allem überrascht darüber, dass Fenningers Schreiben an die Öffentlichkeit gelangt war. "Letztendlich geht es um eine Sonderbetreuung, die sich Anna wünscht. Anna hat derzeit bereits einen Individualbetreuer und somit eigentlich schon mehr als jede andere im Team. Ein Betreuer koste an die 100.000 Euro. Dieses Geld bräuchte es und das ist im Moment nicht da", sagte Kriechbaum gegenüber Sky.

Und weiter: "Mit so einer E-Mail ist es nicht besonders einfach, zu einer Lösung zu kommen. Da wird einem die Rute ins Fenster gestellt und man nimmt damit jede Verhandlungsgrundlage.

  • Peter Schröcksnadel und sein Skiverband haben einen ordentlichen Wickel mit Anna Fenninger.
    foto: apa/gindl

    Peter Schröcksnadel und sein Skiverband haben einen ordentlichen Wickel mit Anna Fenninger.

  • Fenninger mit Schröcksnadel in Vail. Da war noch fast alles gut.
    foto: apa/ techt

    Fenninger mit Schröcksnadel in Vail. Da war noch fast alles gut.

Share if you care.