Wachsendes Packeis in der Antarktis bringt Forscher unter Druck

12. Mai 2015, 12:57
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Versorgung von Forschungsstation gefährdet: Australische Wissenschafter prüfen "ungewöhnliche Maßnahmen"

Sydney - Während das Eis am Nordpol immer mehr abnimmt, friert das Meer rund um den Südpol immer weiter zu: Das wachsende Packeis erschwert mittlerweile sogar die Arbeit der Polarforscher in der Antarktis, wie der Chef des australischen Teams, Rob Wooding, am Dienstag sagte.

Vor allem an der Mawson-Forschungsstation am östlichen Rand des antarktischen Plateaus werde die Lage "immer schwieriger". Normalerweise könne die Station mit Schiffen versorgt werden, wenn das Eis im Sommer aufbreche. In den vergangenen vier bis sechs Jahren sei das aber nicht immer oder nur teilweise geschehen.

In der Saison 2013/2014 sei die Mawson-Station nur mit Hubschraubern zu erreichen gewesen, sagte Wooding. Das sei langfristig aber keine tragfähige Lösung. Französische und japanische Wissenschafter klagen seinen Angaben zufolge über ähnliche Probleme.

Die australischen Forscher schließen bisher noch aus, die Station wegen der Versorgungsprobleme zu schließen. Wie Wooding sagte, müssen sie aber "ungewöhnliche Maßnahmen" prüfen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können - etwa die Versorgung mit Flugzeugen oder Luftkissenfahrzeugen.

Antarktisches Meereis-Paradoxon

Die zugefrorene Fläche auf dem Meer rund um den Südpol hatte im September eine neue Rekordgröße erreicht. Das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) vermeldete eine Ausdehnung von 20 Millionen Quadratkilometern. Mittlerweile haben Klimaforscher als Ursache kalte Winde identifiziert, die das Packeis verschieben. Die Eisbilanz fällt Satellitenstudien zufolge insgesamt trotzdem negativ aus. Einige Forscher werten das wachsende Packeis sogar als direkte Folge der schrumpfenden Inlandgletscher: Demnach würden die zunehmenden Schmelzwassermengen eine bis zu 200 Meter dicke Süßwasserschicht bilden, die dank ihres geringeren Salzgehalts schneller friert als das Meerwasser. (APA/red, derStandard.at, 12.5.2015)

  • Das südpolare Meer friert immer mehr zu, die Forschungsstationen, leiden zunehmend unter Versorgungsproblemen.
    foto: australian antarctic division/anthony worby

    Das südpolare Meer friert immer mehr zu, die Forschungsstationen, leiden zunehmend unter Versorgungsproblemen.

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