Österreich schlägt Deutschland, Chance lebt

11. Mai 2015, 22:40
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Das Penaltyschießen brachte beim 3:2 die Entscheidung. Sie wäre früher möglich gewesen, denn Österreich war das bessere Team. Hinsichtlich des Klassenerhalts hängt nun viel vom Ausgang des Duells zwischen Lettland und Frankreich ab

Prag – Österreichs Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der WM in Prag mit dem zweiten Sieg die Chancen auf den Klassenerhalt gewahrt. Die ÖEHV-Auswahl besiegte am Montag Deutschland mit 3:2 (0:0, 1:0, 1:2-0:0, 1:0) nach Penaltyschießen und schob sich in der Tabelle der Gruppe A mit fünf Punkten an Lettland (4) und Frankreich (3) vorbei auf Platz sechs – der Letzte muss absteigen.

Die Tore der Österreicher in regulärer Spielzeit erzielten Thomas Raffl (35.) und Rafael Rotter (55.), für die Deutschen trafen Michael Wolf (45.) und Patrick Reimer (58.). Im Penaltyschießen verwandelten Dominique Heinrich und Konstantin Komarek ihre Versuche.

Kapitän Thomas Raffl hatte Österreich in Führung gebracht (35.), Michael Wolf gelang der Ausgleich (45.). Rafael Rotter sorgte in der 55. Minute für das 2:1, der Capitals-Stürmer fälschte einen Mühlstein-Schuss ab. Doch Patrick Hager schoss die Partie in die Verlängerung (58.).

Österreichs Konkurrenten im Abstiegskampf treffen am Dienstag (16.15 Uhr) im direkten Duell aufeinander, bereits am Montagabend unterlag Frankreich Schweden mit 2:4. Österreich bekommt es zum Abschluss am Dienstag (12.15 Uhr/live ORF Sport+) mit den mutmaßlich ebenso übermächtigen Kanadiern zu tun. Sollte das ÖEHV-Team in diesem Match ohne Punktgewinn bleiben, muss darauf gehofft werden, dass Frankreich Lettland nicht in der Overtime besiegt. Denn sollte dieser Fall eintreten, wäre man doch noch zum Abstieg verurteilt.

Zumeist besser

Viele österrreichische Fans unter den 11.300 Zuschauern sorgten in der O2-Arena für Heimspielatmosphäre. Auf dem Eis überwog zunächst wenig überraschend Nervosität. Deutschland, das noch einen Punkt für den definitiven Klassenerhalt brauchte und Revanche für das Aus in der Olympia-Qualifikation wollte, dominierte die Anfangsphase.

Danach aber kam Österreich in Schwung und war die bessere Mannschaft. Doch wie schon in den Spielen davor fehlte die Effizienz vor dem Tor. Michael Raffl im Powerplay (7.) und Konstantin Komarek (14.) vergaben Riesenchancen zur Führung.

Im Mitteldrittel ging das so weiter: Manuel Latusa (21.) und Komarek (22.) fanden gute Gelegenheiten vor. Österreichs jüngstes Team bei einer A-WM seit elf Jahren bekam die Partie immer besser in den Griff, hatte spielerische und technische Vorteile.

Es war schließlich der Kapitän, der die Sache in die Hand nahm: Thomas Raffl zog aus der neutralen Zone ins Angriffsdrittel, sein Schlagschuss schlüpfte Torhüter Dennis Endras zwischen den Schonern durch ins Tor. Die Österreicher blieben nach der Führung am Drücker, versuchten ein zweites Tor nachzulegen.

Zweimal in Führung

Die Deutschen kamen aber zurück, denn auch ihr Kapitän traf. Michael Wolf bezwang Torhüter Bernhard Starkbaum mit einem Schuss ins Kreuzeck. Und Wolf tauchte wenig später noch einmal gefährlich vor dem österreichischen Tor auf, diesmal blieb Starkbaum der Sieger (46.).

In der turbulenten Schlussphase fälschte Rotter einen Weitschuss von Florian Mühlstein zum 2:1 ab – weniger als sechs Minuten waren da noch zu spielen, der Klassenerhalt schien zum Greifen nahe. Doch plötzlich drückten die Deutschen, Reimers Schuss schlug zum erneuten Ausgleich. Starkbaum war die Sicht verstellt. Zu allem Überfluss wurde einem Treffer von Lebler 12,9 Sekunden vor Schluss wegen Torraumabseits die Anerkennung versagt. Verlängerung stand an, der Druck auf das Team von Coach Ratushny wuchs weiter – ein Zusatzpunkt war Pflicht geworden. Doch es fielen keine weiteren Tore mehr, das Penaltyschießen musste die Entscheidung bringen.

Aber dann

Es ging bestens los: Dominique Heinrich und Konstantin Komarek setzten sich im Duell mit dem deutschen Keeper Endras in sehenswerter Manier durch. Da Starkbaum den ersten deutschen Versuch hielt, führte Österreich 2:0. Das reichte, da der Goalie nach dem 1:2 der Deutschen und dem folgenden Scheitern Leblers auch den letzten Penalty des Gegners entschärfte. (APA/red, 11.5.2015)

Eishockey-Weltmeisterschaft in Prag – Gruppe A:
Deutschland - Österreich Endstand 2:3 n.P. (0:0,0:1,2:1;0:0,0:1). Prag, 11.302 Zuschauer.

Tore: Wolf (45.), Reimer (58.) bzw. Th. Raffl (35.), Rotter (55.), Komarek (entscheidender Penalty).

Strafminuten: jeweils 6

Penaltyschießen:

Heinrich - 0:1
Hospelt - Starkbaum hält
Komarek - 0:2
Rieder - 1:2
Lebler - Endras hält
Reimer - Starkbaum hält

Deutschland: Endras - Krueger, Müller; Baxmann, Kohl; Krupp, Köppchen; Daschner - Wolf, Pietta, Rieder; Reimer, Hager, Ullmann; Kink, Hospelt, Plachta; Oppenheimer, Raedeke, Seidenberg;

Österreich: Starkbaum - Pallestrang, Heinrich; Mühlstein, Altmann; Schumnig, F. Iberer; Mitterdorfer - Herburger, M. Raffl, Lebler; Latusa, Komarek, Th. Raffl; Rotter, Hundertpfund, M. Geier; Cijan, Fischer, N. Petrik

Weitere Ergebnisse:

Gruppe A

Schweden - Frankreich 4:2 (1:0,1:2,2:0)
Tore: Josefson (12.), Forsberg (35./PP, 41.), Ekman-Larsson (44.) bzw. Fleury (21., 23.)

Gruppe B
Finnland - Weißrussland 3:2 n.P. (0:0,0:0,2:2;0:0,1:0)
Tore: Donskoi (52./PP, entscheidender Penalty), Hartikainen (53.) bzw. Kwirschin (46.), Kaljuschni (60.)

Slowenien - Dänemark 1:0 (1:0,0:0,0:0)
Tor: Pance (11.)

Stimmen

Daniel Ratushny (Teamchef Österreich): "Es sind wirklich gemischte Gefühle! Ich bin sehr glücklich über die zwei Punkte, aber enttäuscht, dass es nicht drei geworden sind. Ich bin stolz auf die Mannschaft, es war ein starkes Spiel von uns."

Pat Cortina (Teamchef Deutschland): "Wir haben in den ersten fünf, sechs Minuten ein gutes Spiel gemacht. Österreich war dann aber das bessere Team bis zum Ende des Spiels."

Thomas Raffl (Torschütze Österreich): "Wir sind jetzt einfach einmal froh über die zwei Punkte und schauen dann, ob es reicht. Kanada hat eine enorm starke Mannschaft, wir werden alles geben und schauen, was rauskommt."

Bernhard Starkbaum (Torhüter Österreich): "Es wäre sicher schön gewesen, nach 60 Minuten gewinnen zu können. Das Glück war leider nicht auf unserer Seite, der Schuss hat leider genau gepasst. Wir haben nach dem Tor zu unserem Spiel zurückgefunden, weiter Druck gemacht und im Penaltyschießen den wichtigen Punkt mitgenommen."

Dominique Heinrich (Verteidiger Österreich): "Gegen Deutschland ist ein Sieg immer schön. Leider müssen wir jetzt warten, was passiert. Ein bisschen ein Glück gehört dazu, das hat bei uns vielleicht ein bisschen gefehlt, aber wir haben trotzdem gewonnen. Ich habe in Salzburg ab und zu Penaltys geschossen, er hat sich wahrscheinlich gedacht, ich werde treffen, das hat glücklicherweise funktioniert."

Rafael Rotter (Torschütze Österreich): "Vielleicht haben die Deutschen noch die Revanche gesucht, wegen der Olympia-Qualifikation. Wir haben die meiste Zeit über dominiert. Aber das Glück hat uns leider nicht verfolgt bei dieser WM. Mein abgefälschtes Tor war das einzige glückliche."

Michael Raffl (Stürmer Österreich): "Wir haben es eigentlich defensiv sehr gut gespielt. Dann kommt der Puck auf die blaue Linie. Im Tor sind zwei Zentimeter frei und es kommt wie es sein muss: Mit ihrem elften Torschuss machen sie das zweite Tor. So läuft es ab und zu im Eishockey. Wir haben gegen Frankreich, Lettland und Deutschland dominiert und waren jeweils das bessere Team. Die Kanadier sind eine All-Star-Truppe. Jeder von uns hat eine Freude, gegen solche Spieler auf dem Eis stehen zu dürfen."

  • Konstantin Komarek überwindet den deutschen Keeper Endras zum zwischenzeitlichen 2:0 für Österreichs Eishockey-Team im Penaltyschießen.
    foto: reuters/cerny

    Konstantin Komarek überwindet den deutschen Keeper Endras zum zwischenzeitlichen 2:0 für Österreichs Eishockey-Team im Penaltyschießen.

  • Buntes Treiben vor dem deutschen Goal – Gelegenheiten, die Partie in der regulären Spielzeit zu entscheiden, waren vorhanden.
    foto: reuters/cerny

    Buntes Treiben vor dem deutschen Goal – Gelegenheiten, die Partie in der regulären Spielzeit zu entscheiden, waren vorhanden.

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