Ein Kampf gegen den Abgesang

11. Mai 2015, 17:48
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Die Bayern sprechen sich vor dem dienstäglichen Rückspiel gegen Barcelona Mut zu. Immerhin bleibt der Kämpfer Pep Guardiola Trainer

München - Sie haben eigentlich keine Chance, doch die wollen sie nutzen. Die Bayern benötigen gegen den "Außerirdischen" Lionel Messi das größte Fußballwunder ihrer so langen wie ruhmreichen Europacup-Geschichte, um sich trotz der praktisch aussichtslosen Situation den Traum vom Finale am 6. Juni in Berlin zu verwirklichen. "Es muss ein Spiel sein, wo es uns einfach reinläuft, wie man auf gut Bairisch sagt", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag gegen den FC Barcelona (20.45 Uhr, ZDF/Liveticker derStandard.at).

"Natürlich haben wir die Qualität. Wir geben nicht auf. Ich will das, die Mannschaft will das", fügte Trainer Pep Guardiola am Montag an. Er sei kein Träumer, "aber ich bin auch ein Kämpfer. Es wird nicht einfach, aber wir haben mindestens 90 Minuten." Die Münchner gehen nach vier Pflichtspiel-Niederlagen in Serie nicht nur mit der Hypothek des 0:3 von Barcelona in die Partie. Auch neuerliche Gerüchte um Guardiola und dessen Wechsel zu Manchester City im Sommer sorgten im Vorfeld für Diskussionen. Den 44-jährigen Spanier interessierte dies nur am Rande.

Das Bekenntnis

Er habe es schon "200 Millionen Mal" gesagt: "Ich werde nächste Saison hierbleiben." Thema abgehakt. Vielmehr feilt Guardiola seit der Demütigung am vergangenen Mittwoch durch seinen Ex-Klub an einem Masterplan. Der sieht trotz des klaren Rückstands keinesfalls vor, dass die Bayern auf Teufel komm raus stürmen werden, sie wollen quasi nicht naiv bis deppert sein.

Natürlich müsse man mehr Chancen herausspielen und besser angreifen als im Camp Nou, aber: "Nach vorne, nach vorne, nach vorne? Nein! Wir müssen in erster Linie gut verteidigen und das Spiel kontrollieren. Wir müssen mehr den Ball haben als sie", unterstrich Perfektionist Guardiola. Für Stürmer Thomas Müller sind nicht die Taktik mit Dreier- oder Viererkette, sondern "Leidenschaft, Wille und die Unterstützung der Fans" der Schlüssel zu einem "Ausrufezeichen, das die Fußballwelt nicht erwartet". Auch er mahnte "die richtige Mischung" zwischen Offensive und Abwehrarbeit an: "Mit offenem Visier, aber nicht dumm." In Barcelona war die Taktik 77 Minuten aufgegangen, bis Messi, von Guardiola einmal mehr als "Außerirdischer" gewürdigt, und Neymar die Bayern-Träume fast zerstörten.

Der Strohhalm

Fast. Denn die Bayern klammern sich an den winzigen Strohhalm und an die Tatsache, im Achtelfinale gegen Donezk (7:0) und dann in der Runde darauf gegen Porto (6:1) eine Machtdemonstration abgeliefert zu haben. "Wir sind der FC Bayern, im Fußball ist vieles möglich. Bis der Schiedsrichter abpfeift, werden wir daran glauben", sagte Müller und führte zudem das 0:1 gegen Augsburg am Samstag in der Liga als Beispiel an: "Langer Ball, Elfer, Rote Karte und schon ist ein Spiel auf den Kopf gestellt."

Dass sie nach wie vor auf Arjen Robben, Franck Ribéry, David Alaba (steigt bald wieder ins Mannschaftstraining ein), Holger Badstuber und Sebastian Rode verzichten müssen, wollen die Bayern nicht als Ausrede gelten lassen. Für Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, der bekanntlich gerne und auch viel spricht, ist genau dies entscheidend: "Dieses Potenzial, das im Moment da ist, genügt nicht, um Barcelona in zwei Spielen auszuschalten."

Geht es nach Barcelonas Trainer Luis Enrique, dann sind die Fans ein bisschen zu voreilig. Noch ehe die Katalanen das Westin Grand Hotel in München bezogen, betonte er mit ernster Miene: "Wir werden in München sehr leiden müssen. Ich habe keine Zweifel daran. Wir werden nicht den Fehler machen und denken, dass die Begegnung entschieden wäre." Am Mittwoch empfängt Real Madrid im zweiten Halbfinale Juventus Turin. Die Partie ist echt noch nicht entschieden, Juve führt mit 2:1. (sid, red - 11.5. 2015)

Technische Daten und mögliche Aufstellungen:

FC Bayern München - FC Barcelona (München, Allianz-Arena, 20.45 Uhr/live ZDF und Sky, SR Clattenburg/ENG - Hinspiel 0:3)

Bayern: Neuer - Rafinha, Benatia, Boateng, Bernat - Alonso - Thomas Müller, Lahm, Thiago Alcantara, Götze - Lewandowski

Ersatz: Reina - Dante, Martinez, Gaudino, Weiser, Pizarro, Schweinsteiger

Es fehlen: Alaba (Knie), Badstuber (Oberschenkel), Robben (Wade), Ribery (Sprunggelenk)

Barcelona: Ter Stegen - Alves, Pique, Mascherano, Alba - Rakitic, Busquets, Iniesta - Messi, Suarez, Neymar

Ersatz: Bravo - Bartra, Xavi, Pedro, Adriano, Rafinha Alcantara, Vermaelen

  • Guardiola wird den Vertrag in München erfüllen.
    foto: apa/epa/kneffel

    Guardiola wird den Vertrag in München erfüllen.

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