"Seitenblicke" überraschen: Risiko Bestlaune

11. Mai 2015, 17:42
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Werden alle, die in Schwechat landen, solche Überfälle locker wegstecken?

Andi Knoll wirkt nicht nur sensationell sympathisch; womöglich ist er innerhalb seiner öffentlich-rechtlichen Anstalt auch zu Höherem berufen. Unlängst bei Willkommen Österreich gab er sich in eigener Sache gelassen, trotz nahender heikler Song-Contest-Moderation. Nervenflattern ja. Aber es packe ihn nur – und es spricht für seine Weitsicht –, wenn Knoll an den ORF als Lastenträger des Wettsingens denke. Immerhin habe der Sender, den Conchita Wurst zum Veranstalter machte, etwa zehn Stunden Zeit, "sich zu blamieren".

Hier jedoch könnte Knoll irren; es dürften weitaus mehr als zehn Sendestunden zur Verfügung stehen, um blamabel zu glänzen. Wie man an den Seitenblicken bemerken musste, wird die Rolle des Gastgebers nun schon riskant dynamisch interpretiert: Um sechs Uhr schreckten die Reporter die lieben Armenier auf, die in Schwechat landeten, schockten sie mit Bestlaune – euphorische Gratulation zum Sieg inklusive! "Ihr seid die erste Delegation, die in Wien landet! Ist das ein Zeichen?"

Die netten Menschen von Genealogy wirkten nicht verstört. Sie "wollen gewinnen", die "Bühne rocken", das "riesengroße Auge", das sie im Internet gesehen haben, mit dem Song Face the Shadow erschüttern.

Die Armenier haben also angesichts der entfesselten "Seitenblicke" nicht wieder den Heimflug angetreten; so ist alles noch mal gutgegangen. Ist das aber eine Garantie? Werden alle, die in Schwechat landen, solche Überfälle locker wegstecken? Was, wenn alle Abteilungen des ORF hochmotiviert ausschwärmen? Werden ZiB 2 und ZiB 24 für Wochen ausfallen, da Song-Contest-Beiträge sie wegspülen? Bange Fragen, die Andi Knolls Nervosität erklären. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 12.5.2015)

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