Waffenruhe im Jemen: Lichtstreif am Horizont

Kommentar11. Mai 2015, 17:42
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Ein prolongierter Krieg mit ungewissem Ausgang ist in jeder Beziehung zu teuer

Zu Wochenbeginn gab es in den umkämpften Gebieten des Jemen keine Hinweise darauf, dass ab Dienstagabend eine fünftägige Waffenruhe gelten soll. Dass vor einer verordneten Kampfpause die Kriegsparteien stets versuchen, sich noch bestmöglich zu positionieren, ist bekannt. Aber in der von der saudisch geführten Koalition pauschal zum "militärischen Ziel" erklärten Provinz Saada im Norden sah es nach einer neuen Eskalation aus, die nicht so leicht wieder abzupfeifen ist - zumal die Befehlsketten auf beiden Seiten eher chaotisch sein dürften.

So groß die Übermacht aus der Luft ist, im schwierigen Terrain des Nordjemen sind die Huthi-Rebellen nicht zu schlagen. Der Initiator des humanitären Waffenstillstands ist Saudi-Arabien, das von den USA - vor dem Camp-David-Gipfel zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Golfkooperationsrat, der die US-Golfaraber-Allianz stärken soll - entsprechend dafür gelobt wird. Die Uno hingegen hat wenig Freude damit, dass die Kriegspartei Saudi-Arabien die Verteilung von Hilfsgütern kontrollieren will.

Dennoch ist die Waffenpause ein Lichtstreif am Horizont. Wenn sie hält, könnte sich daraus ein diplomatischer Raum für Verhandlungen entwickeln - an dem alle Interesse haben müssten. Ein prolongierter Krieg mit ungewissem Ausgang ist in jeder Beziehung zu teuer. Und das von Riad deklarierte Ziel eines neuen politischen Prozesses im Jemen ist mit militärischen Mitteln nicht erreichbar. (Gudrun Harrer, 11.5.2015)

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