US-Künstler Chris Burden gestorben

11. Mai 2015, 16:59
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Zählte zu den Hauptvertretern körperbezogener Kunst

Wien - "Hörst Du die Kojoten", flüsterte Chris Burden noch vor der Begrüßung. Fragend oder doch auffordernd, wer weiß. Es war jedenfalls die erste von vielen Begegnungen, die Peter Noever in Erinnerung blieben. Damals, Anfang der 1990er, als sich Burden "zwischen Orangen-, Zitronen-, Avocadohainen und Kojoten in einem abgelegenen, schwer zugänglichen Tal" im Topanga Canyon verschanzte. Ein abgeschiedener Ort in den Santa Monica Mountains, der das Zentrum seines Seins und künstlerischen Wirkens wurde.

Seit den späten 1970ern zählte der 1946 in Boston Geborene neben Paul McCarthy zu den Hauptvertretern körperbezogener Kunst. In kontroversiellen Aktionen thematisierte er das Außenseitertum sowie die zur Schau gestellte Selbstgefährdung und definierte seine Kunst als existenzielle Handlung, die sich gegen Normen richtet. Später folgten Objekte aus der Alltagswelt (u. a. Motorräder, Dampfwalzen), die durch seine Inszenierungen zu mitunter spielzeugartigen Skulpturen mutierten, die sich mit Repräsentationen und Mechanismen politischer Macht auseinandersetzten.

Zusammenarbeit mit Wien

Angebahnt über die Gründung des Mak Centers in Los Angeles, wurde die Zusammenarbeit mit Wien eine engere und über Ankäufe hinausgehende. Auch, weil Burden für Noever jenes Potenzial und jene Radikalität besaß, die das "Projekt Kunst" ohne Experimentierscheu voran- und den tradierten europäischen Mief zumindest ein wenig auszutreiben vermochte. 1996 widmete ihm das Mak die erste großangelegte Personale in Europa (beyond the limits).

Im Laufe der Jahre hinterließ Burden in Wien mehr Spuren als seine US-amerikanischen Zeitgenossen: Bei Ausstellungen in der Galerie Krinzinger, zuletzt 2013 etwa zu den kinetischen Skulpturen Metropolis (I und II), oder bei Präsentationen wie im Mumok 2002, wo sein aus 100 Goldbarren aufgetürmter Tower of power auf die Macht der Museen verwies.

Nur ein Projekt sollte an der unbarmherzigen Bürokratie scheitern: Die begehbare Skulptur Urban Light, für die 150 gusseiserne Art-deco-Straßenlaternen aus Los Angeles in Kolonnaden-Formation zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof Wien-Mitte installiert worden wären. Stattdessen wurde sie 2008 auf der Plaza vor dem Los Angeles County Museum of Art realisiert. Nahezu prophetisch hatte Burden 1996 in einem STANDARD-Interview angemerkt, dass er in Wien nie Künstler geworden wäre. 18 Monate nach der Hautkrebsdiagnose starb der 69-Jährige am Sonntag in seinem Refugium im Topanga Canyon. (Olga Kronsteiner, 11.5.2015)

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