Bäume nehmen mehr CO2 auf, verdunsten gleichzeitig mehr Wasser

18. Mai 2015, 12:24
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Forscher untersuchten CO2-Aufnahme und Wassernutzungseffizienz europäischer Laub- und Nadelbäume im 20. Jahrhundert

Wien - Um CO2 aus der Luft aufzunehmen, öffnen Bäume ihre Stomata - auch Spaltöffnungen genannt - an den Blättern, wobei Wasser entweicht. Weil immer mehr CO2 zur Verfügung steht, können sie auch mehr davon in kürzerer Zeit aufnehmen, wodurch weniger Wasser verloren geht. Und dennoch verdunsten Europas Wälder verstärkt Wasser, wie ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Nature Climate Change" berichtet.

"Dieser widersprüchlich scheinende Effekt kommt von längeren Wachstumssaisonen, einem erhöhten Verdunstungsbedarf durch die Klimaerwärmung und größeren Blattflächen", schreiben die Wissenschafter. Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass die Pflanzen durch größere CO2-Mengen mehr Kohlenhydrate aufbauen und besser gedeihen können, sagt Martin Weigl vom Wiener Forschungs- und Prüfinstitut Holzforschung Austria in Wien.

Höhere Steigerungsrate bei Laubbäumen

Die Forscher haben die Kohlenstoff-Isotope in den Wachstumsringen von Laub- und Nadelbäumen in ganz Europa untersucht und herausgefunden, dass während des 20. Jahrhunderts mit der Steigerung der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre auch die CO2-Aufnahme der Bäume wuchs. Die Steigerungsrate der CO2-Aufnahme machte dabei drei Viertel jener des atmosphärischen CO2 aus. Bei Laubbäumen war dieser Effekt deutlich ausgeprägter als bei Nadelbäumen.

Gleichzeitig stieg die Wassernutzungseffizienz im 20. Jahrhundert: "Bei höherer Verfügbarkeit von CO2 müssen Pflanzen ihre Spaltöffnungen kürzer und seltener öffnen, weil innerhalb von kürzerer Zeit mehr CO2 aufgenommen werden kann", so Weigl. Somit verdunste dabei weniger Wasser.

Klimatische Auswirkungen unklar

Dennoch stieg die Menge an transpiriertem Wasser der Wälder im Lauf des 20. Jahrhunderts um rund fünf Prozent, wie die Modelle der Forscher zeigten. "Unsere Studie stellt dadurch die bisherige Annahmen zum Kohlenstoff-Wasser-Zyklus in Frage, dass die Verdunstung und Luftfeuchtigkeit auf dem Planeten durch die von Menschen verursachten CO2-Emissionen abnehmen werden."

Was dies für das Klima bedeutet, sei jedoch unklar. Einerseits könnte die erhöhte Verdunstung die Oberflächentemperatur verringern, andererseits könnte der zusätzliche Wasserdampf zur Erwärmung beitragen, so die Forscher. Wie diese Bilanz tatsächlich aussieht, sei noch mit neuen Modellen und Messungen zu klären. (APA, red, 18.5.2015)

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