Netload: Letzter deutscher Filehoster offenbar am Ende

11. Mai 2015, 16:18
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Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen – Belohnungssystem soll Gesetzesverstöße gefördert haben

Ende März hat Rapidshare, einst eine der weltweit bekanntesten Filehosting-Plattformen, seinen Dienst nach längerer Talfahrt endgültig eingestellt. Nun dürfte auch Netload erwischt haben, den letzten größeren Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen war, wie andere Dienste dieses Segments, schon länger im Visier der Unterhaltungsindustrie.

Abgemahnt worden war der Dienstleister unter anderem durch die Kanzlei Rasch Rechtsanwälte. Diese erzielte letztlich erfolgreich eine einstweilige Verfügung durch das Landgericht Hamburg. Die Website der Plattform ist nun komplett offline.

Lange Streitgeschichte

Man sei schon seit 2011 im Namen von Musikunternehmen gegen den Betreiber Netload GmbH vorgegangen, schreibt dazu Rechtsanwalt Mirko Brüß. Im Rahmen eines Unterlassungsverfahrens forderte man die Herausgabe der Daten verschiedener Uploader. 2012, nachdem Netload entsprechenden Gerichtsbeschlüssen nicht nachgekommen war und auch Ordnungsgelder ihre Wirkung verfehlten, sei der Geschäftsführer bereits zu zehntägiger Ordnungshaft verurteilt worden.

Letztlich habe Netload dann doch damit begonnen, urheberrechtsverletzende Inhalte von seinen Servern zu entfernen und das eigene Einnahmenmodell zu ändern. Infolge brach dem Dienst anscheinend sein Kundenstamm weg, 2013 folgte ein Konkursverfahren.

Neuer Betreiber, alter Clinch

2015 wurde Netload schließlich von einem neuen Betreiber übernommen, der auf ein Modell umstellte, das Kunden für die Vermittlung weiterer Nutzer vergütete. Dies, so die Kanzlei, führte schnell zu einer Zunahme an fragwürdigen Uploads. Das Unternehmen proMedia GmbH soll im Auftrag von Musikfirmen "zahlreiche rechtsverletzende Inhalte" auf den Netload-Servern entdeckt haben.

Löschungsaufforderungen, die an eine dafür vorgesehen Kontaktadresse geschickt wurde, seien jedoch konsequent ignoriert oder mit großer Verzögerung behandelt worden. Es folgte schließlich eine Unterlassungsklage und einstweilige Verfügung.

Seit 5. Mai ist der Dienst nicht mehr über seine ursprüngliche Internetadresse aufrufbar. Zuerst leitete die Domain demnach auf eine Pornoseite um, ehe sie seit 8. Mai ins Leere führt. Die Anwälte nehmen an, dass dies eine Reaktion auf das gerichtliche Vorgehen darstellt.

Rätsel um zweite Domain

Auf einer neuen Adresse, netload.me, zeigt sich das Portal allerdings wieder, wie Golem ergänzt. Ein Upload von Dateien ist aktuell aber nicht möglich. Registriert ist die Adresse seit 4. Februar, die Registrar-Informationen sind allerdings aufgrund eines Anonymisierungsdienstes nicht einsehbar. (gpi, 11.05.2015)

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    foto: netload
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