Neue Rekordkünstler: Picasso und Giacometti

12. Mai 2015, 14:53
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179,36 Millionen für Picassos Gemälde "Femmes d’Alger", 126,24 Millionen für Giacomettis Skulptur "L’homme au doigt" und fast 706 Millionen Dollar Gesamtumsatz: Eine beachtliche Bilanz, die angesichts zahlreicher von Christie’s gewährter Garantien nicht ohne Risiko war

New York – Selbst für New Yorker Verhältnisse, wo statistisch deutlich mehr Rekorde verzeichnet werden als in anderen Kunstmarktmetropolen, war der Auftakt der diese Woche anberaumten Auktionen (Impressionist & Modern Art, Post-War & Contemporary) ein spektakulärer. Gleich mehrfach Mal trieben vermögende Kunstliebhaber während der Montagabend (11.5.) abgehaltenen Christie’s-Auktion die Gebote deutlich über die angesetzten Schätzwerte zu neuen Künstlerweltrekorden. Im Falle Pablo Picassos "Femmes d’Algers" sogar über den höchsten bis dahin in einer Versteigerung verzeichneten Wert.

Video von der Auktion. (Quelle: Christies)

Dieser lag bislang bei 142,4 Millionen Dollar, die Elaine Wynn, Ex-Frau des Casinomoguls Steve Wynn (Las Vegas), im November 2013 (bei Christie’s in New York) für Francis Bacons Triptychon "Three Studies of Lucian Freud" (1969) springen ließ. Um 1:31 Uhr MEZ (12.5.) war dieser Höchstwert nach einem knapp 20 Minuten währenden Bietgefecht Geschichte. Fünf unbekannte Interessenten hatten sich übers Telefon um dieses eine Picasso Gemälde gematcht, das der Künstler am Valentinstag 1955 fertig gestellt hatte.

Legendäres Harem-Motiv

Dem Bild, mit dem Beinamen "Version O", war eine Serie von 14 Werken (Versionen A bis N) voran gegangen, die sich in der Art einer Hommage mit Eugen Delacroix' gleichnamigem Werk von 1834 (Musée du Louvre) beschäftigte. Ein legendäres Sujet, auch, weil es über Generationen Männerfantasien vom Harem als vornehmes Privatbordell zu bedienen verstand.

Über Picassos Galeristen Daniel Kahnweiler wechselte die komplette "Femmes d’Algers"-Serie 1956 für 80 Millionen Francs oder umgerechnet 212.000 Dollar in den Besitz von Victor und Sally Ganz. Ein Ankauf, den sich das amerikanische Sammlerehepaar damals nicht wirklich leisten konnte, weshalb es kurz danach zehn Gemälde der Serie (über verschiedene Galerien) wieder verkaufte und nur fünf behielt. Von einem trennte sich Sally nach dem Tod ihres Ehemannes, die verbleibenden vier gelangten 1997 bei Christie’s in New York zur Auktion.

Mit Risiko zu Rekordbilanz

"Version O", sie gilt als Quintessens der Serie, ersteigerte damals ein europäischer Privatsammler für 31,9 Millionen Dollar. Nun darf er sich über einen stattlichen Gewinn freuen: auf 160 Millionen Dollar belief sich der von einem anonymen Käufer bewilligte Wert, der inklusive Provision des Auktionshauses nun 179,36 Millionen Dollar (160,27 Mio. Euro) zu bezahlen hat.

grafik: standard

Den zweiten hochdotierten Künstlerweltrekord heimste aktuell Alberto Giacomettis Bronze "L’homme au doigt" (Ed. 6/6) von 1947 ein, die einem weiteren anonymen Telefonbieter immerhin noch stolze 141,28 Millionen Dollar (126,24 Mio. Euro) wert war. Damit holte sich Giacometti nicht nur den Titel "teuerste Skulptur der Welt" und rangiert nun auf Platz drei der zehn höchsten jemals in einer Auktion notierten Zuschläge.

Am Ende des Abends hatte die von Loic Gouzer (Christie’s International Spezialist Post-War and Contemporary Art) kuratierte Auktion ("Looking Forward to the Past") – in der 34 von 35 offerierten Meisterwerken den Besitzer wechselten – 705,85 Millionen Dollar (630,73 Mio. Euro) eingespielt. Nachgerade reihenweise müssen dem Christie’s-Chefitäten die Steine von den Herzen geplumpst sein: Denn im Vorfeld hatte man den Einbringern für nicht weniger als 18 Kunstwerke Garantien erteilt, jene für den Picasso war bei 140 Millionen Dollar gelegen. (Olga Kronsteiner, 12.5.2015)

  • Pablo Picassos "Les Femmes d'Alger" (1955).
    foto: 2015 estate of p. picasso / ars

    Pablo Picassos "Les Femmes d'Alger" (1955).

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