DÖW veröffentlicht Biografien österreichischer Stalinismus-Opfer

12. Mai 2015, 12:05
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Rund 780 Kurzbiografien stehen ab sofort online zur Verfügung

Wien – Auf der Homepage des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) sind ab sofort Biografien von österreichischen Opfern der Stalin-Diktatur online. Die rund 780 Kurzbiografien stammen aus dem Gedenkbuch von Barry McLoughlin und Josef Vogl "... Ein Paragraf wird sich finden. Gedenkbuch der österreichischen Stalin-Opfer (bis 1945)".

Tausende Österreicher lebten in den 1930er-Jahren in der Sowjetunion, ehemalige Kriegsgefangene, die freiwillig geblieben waren, Arbeitsmigranten, Kommunisten und nach dem Februar 1934 auch an die 750 Schutzbündler. Vor allem in den Jahren des Großen Terrors 1936 bis 1938 und nach dem deutschen Überfall am 22. Juni 1941 wurden viele verhaftet, gefoltert, zu vielen Jahren im Gulag verurteilt oder ermordet.

Konstruierter Vorwurf der Agententätigkeit

In den meisten Fällen wurden die Verhafteten mit dem absurden Vorwurf der Agententätigkeit für Österreich, Deutschland oder andere Länder konfrontiert. Mehr als ein Drittel der Verhafteten wurde zum Tod verurteilt und erschossen, mehr als 80 weitere kamen in der Haft ums Leben. An die 100 Verhafteten wurden nach meist jahrelanger Untersuchungshaft freigelassen und in der Folge meist ausgewiesen.

Eines dieser Opfer war Michael Bahrer. Über ihn ist in der Datenbank zu lesen: Er war jüdischer Abstammung und wurde 1894 in Linz geboren. Von Beruf war er vermutlich Automechaniker. Wann und unter welchen Umständen er in die Sowjetunion kam, ist unbekannt. Bahrer lebte in Leningrad und leitete die Autowerkstätte des Hauses der Roten Armee. Am 29. Oktober 1937 wurde er verhaftet, wegen Spionage angeklagt und am 10. Jänner 1938 zum Tod verurteilt. Am 15. Jänner 1938 wurde er hingerichtet. (APA, 12.5.2015)

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