Jan Garbarek: Expressionismus und Wellnessjazz

11. Mai 2015, 17:09
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Der norwegische Saxofonist kommt für zwei Konzerte nach Österreich. Er wird gefürchtet wie gefeiert

Imst/Wien - Für die einen ist es Wellnessjazz im Kielwasser esoterischer New-Age-Klänge, eine Erfindung des Münchener ECM-Labels. Für die anderen ist Jan Garbarek Pionier einer genuin skandinavischen Spielart improvisierter Musik.

Ob man in seine Saxofonelegien Bilder von schneebedeckten Wald- und Fjordlandschaften projiziere, liege im Auge des Betrachters, pflegt Garbarek in Interviews zu sagen. Für ihn sei einfach die vokale Qualität norwegischer Volksmusik eine große Inspiration gewesen. Ob man das Resultat Jazz nenne, kümmere ihn wenig, sagt der 68-Jährige.

Rückblickend ist interessant, dass die lyrische, kantable Qualität seines Spiels schon in den 1960er-Jahren spürbar war, als Garbarek als 17-Jähriger von US-Pianist George Russell entdeckt wurde, und er als John-Coltrane-beeinflusster Jungspund dem Free Jazz frönte.

Die Fokussierung der Ausdrucksmittel auf volksliedhafte Melodik und einen kraftvollen, wärmedurchströmten Sound, für die die Zusammenarbeit mit Keith Jarrett als Katalysator wirkte, ließ Jan Garbarek über die Jahre zu jenem Klangästheten reifen, der heute etwa in der Zusammenarbeit mit dem Hilliard-Ensemble als Crossover-Ikone gefeiert und gefürchtet wird.

Die beiden Österreich-Konzerte mit dem aus Keyboarder Rainer Brüninghaus, Bassist Yuri Daniel und Perkussionist Trilok Gurtu bestehenden Quartett lassen überprüfen, ob die Balance zwischen Konzentration und Simplizität, zwischen expressiver Emphase und Pathos aktuell gelingt. (Andreas Felber, 11.5.2015)

Jan Gabarek live: 12. 5., Imst, Glenthof, 20.00; 13. 5., Wien, Konzerthaus, 19.30

  • Der Norweger Jan Gabarek bläst an zwei Jazzterminen durch sein Gerät. Einmal in Imst und einmal in Wien.
    foto: epa/andrzej grygiel

    Der Norweger Jan Gabarek bläst an zwei Jazzterminen durch sein Gerät. Einmal in Imst und einmal in Wien.

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