Kein Ende der Zinssenkungen in China

11. Mai 2015, 13:15
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Notenbank senkte Leitzins von 5,35 auf 5,1 Prozent

Peking - Auch nach der dritten Leitzinssenkung in nur sechs Monaten ist in China Volkswirten und Analysten zufolge noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Zentralbank des Landes (PBOC) setzte den Schlüsselsatz am Sonntag auf 5,1 von zuvor 5,35 Prozent nach unten. Den Einlagensatz drosselte sie im gleichen Umfang auf 2,25 Prozent.

Nach Jahren mit rasantem Wachstum schwächelte China zuletzt merklich und zwang die Notenbank zum Handeln, um einen harten Aufprall zu verhindern. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA hatte im ersten Quartal nur noch um sieben Prozent zugelegt - das geringste Plus seit der Finanzkrise 2008/09. Zudem waren auch die jüngsten Export- und Inflationsdaten unter den Erwartungen geblieben.

Die niedrigeren Zinsen sollen die Kreditkosten der Unternehmen senken und damit der Wirtschaft neuen Schwung verleihen. Manche Volkswirte glauben allerdings, dass die bisherige Lockerungspolitik der Zentralbank noch nicht dazu geführt hat, dass Geschäftsbanken die niedrigeren Zinsen auch an die Kreditnehmer weiterreichen. "Die Wirksamkeit der Zinssenkung wird nicht sehr groß sein", schätzt etwa Li Qilin, Volkswirt beim Investmenthaus Minsheng Securities. Die Notenbank habe den Leitsatz bereits um insgesamt 0,65 Prozent gesenkt, dagegen seien die Kosten für Kredite bisher nur marginal zurückgegangen.

Manche Analysten sind deshalb der Ansicht, dass die Zentralbank noch nicht aggressiv genug reagiert hat. "Das Timing für die Zinsschritte liegt klar innerhalb der Erwartungen, aber das Ausmaß der Senkung ist geringer als viele es erwartet hatten", sagt Zhang Chen, Analyst beim Hedgefonds-Manager Hongyi Investment in Shanghai.

Die asiatischen Börsen reagierten am Montag dennoch positiv: Der Index asiatisch-pazifischer Werte außerhalb Japans kletterte um gut 1,2 Prozent. Alle wichtigen asiatischen Börsen schlossen mit Gewinnen.. The CSI300-Index für die größten in Shanghai and Shenzhen gelisteten Unternehmen kletterte um 2,9 Prozent, während der Shanghai-Composite-Index drei Prozent zulegte.

Nach Einschätzung der NordLB verfolgt die chinesische Zentralbank derzeit den Plan einer schrittweisen Lockerung. "Es deutet derzeit vieles auf mindestens einen weiteren Zinsschritt bereits im laufenden Quartal hin", kommentierte NordLB-Analyst Frederik Kunze. Die Währungshüter hatten am Sonntag auch die Beschränkungen für die Zinssätze erneut gelockert, die Geldhäuser Sparern auf ihre Guthaben zahlen dürfen. Banken können nun diese Sparzinsen bis auf das 1,5-Fache des Einlagensatzes festlegen - bisher war maximal das 1,3-Fache möglich.

Nach Einschätzung mancher Volkswirte wäre es falsch, die Erfolgsaussichten der geldpolitischen Schritte unterzubewerten. Der Zinssatz könne noch auf mindestens zwei Prozent gesenkt werden, schätzt etwa Li Huiyong vom Wertpapierhaus Shenwan Hongyuan Securities: "Wir erwarten, dass sich die Wirtschaft in den nächsten zwei Quartalen allmählich stabilisiert." (APA, 11.5.2015)

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