Handysignatur kommt nun mit Online-Banking, Bürgerkarte "gescheitert"

11. Mai 2015, 12:12
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Bank-Austria-Kunden können sich digitale Unterschrift über private Firma Postserver freischalten lassen

Die schon 2003 eingeführte Bürgerkarte als digitaler Ausweis hat sich nicht durchgesetzt. Die Regierung setzt nun auf die Handysignatur und arbeitet dabei mit der Privatwirtschaft zusammen. Kunden der Bank Austria können sich die Unterschrift fürs Mobiltelefon via Online-Banking freischalten lassen. In das elektronische Postfach können Behörden sowie Firmen Briefe schicken.

"Wir lassen derzeit beides offen, aber das Erfolgsmodell ist die Handysignatur"

Nach den Worten von Staatssekretärin Sonja Steßl (SPÖ) ist die Bürgerkarte "gescheitert" – in dem Sinne, dass es bisher nur 150.000 Anwender gebe. Dennoch will die Regierung die Karte nicht einstellen. "Wir lassen derzeit beides offen, aber das Erfolgsmodell ist die Handysignatur", sagte Steßl am Montag bei einer Pressekonferenz in der Bank Austria.

Die Handysignatur wird derzeit von rund 500.000 Österreichern genutzt. Zum Vergleich: Österreichweit gibt es mehr als 13 Millionen SIM-Karten. Bis dato musste man sich entweder physisch wo hinbegeben (zum Beispiel aufs Finanzamt) oder auf einen Brief warten, um den "digitalen Pass" freizuschalten.

Bankident-Verfahren

Ab Montag geht es für die 760.000 Online-Kunden der Bank Austria auch rein elektronisch, und zwar mit dem sogenannten Bankident-Verfahren. Die Identifikation erfolgt dabei via Internet-Banking-Zugangsdaten. Das Bankident-Verfahren ist für alle Geldhäuser offen. Bank-Austria-Chef Willibald Cernko geht davon aus, dass andere Banken bald nachziehen werden.

Voraussetzung für die Freischaltung der Handysignatur per Online-Banking ist ein elektronisches Postfach bei der Firma Postserver. Das ist einer von vier digitalen Zustelldiensten, die vom Bundeskanzleramt zertifiziert sind. In den Postserver-Posteingang können sowohl Behörden als auch private Unternehmen Nachrichten senden. "Da kriege ich die wichtige Post hinein, keinen Spam", so Robert Macho von der Bank Austria. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Brief oder einer E-Mail seien Sender und Empfänger klar authentifiziert, das Briefgeheimnis werde durch eine End-2-End-Verschlüsselung gewahrt. "Das ist absolut sicher", sagte Cernko.

3,5 Millionen Euro im Jahr für Portospesen

Die Bank Austria bietet die E-Zustellung als erstes Unternehmen an und will sich damit jährlich zwei Millionen Euro sparen. "Wir geben derzeit 3,5 Millionen Euro im Jahr für Portospesen aus", so Cernko. Die Kosten für die Sendung übernimmt der Absender – eine einfache E-Zustellung kostet bei Postserver derzeit 50 Cent. Das Wiener Unternehmen, das im Eigentum von drei Privatpersonen steht, ist nach Angaben von Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter Alexander Mittag-Lenkheym mit mehr als 20 großen Unternehmen im Gespräch, die sukzessive auf elektronische Post umstellen wollen. Kürzlich sei eine große Versicherung dazugekommen.

Firmen können ihren Kunden via Postserver zum Beispiel Rechnungen oder, im Falle von Banken, Informationen über Zinsänderungen schicken. Sie müssen sich dabei an Regeln halten und kategorisieren, um welche Art von Sendung es sich handelt, erklärte Macho. Reklamepost ist theoretisch möglich, aber nur, wenn der Empfänger die Checkbox "Bitte keine Werbung" nicht angeklickt hat.

Per E-Mail

Die Empfänger werden sofort per E-Mail verständigt, wenn sie elektronische Post bekommen haben. Automatische Abwesenheitsmeldungen, zum Beispiel bei Urlauben, sind möglich. Die Handysignatur ist eine rechtsgültige Unterschrift, die ab 2016 auch EU-weit eingesetzt werden kann. Für Österreich nannte Staatssekretärin Steßl am Montag keine Zielgröße, wie viele Handysignaturen es bis dahin geben soll. "Es gibt auch Offliner, auf die darf man nicht vergessen." (APA, 11.5.2015)

  • Die Bürgerkarte.
    foto: apa

    Die Bürgerkarte.

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